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Ich mag gute Vorsätze. So, nun ist es raus. Gut möglich, dass ihr euch jetzt fragt: Wie bitte? Wie kann man denn als halbwegs intelligenter Mensch noch was für gute Vorsätze übrig haben?

Mittlerweile ist es ja eigentlich ein No-Go, gute Vorsätze nicht blöd zu finden. Sie bringen nämlich tatsächlich nicht viel, Da schreibe ich feinsäuberlich meine guten Vorsätze auf, nur um dann vier bis acht Wochen später festzustellen, dass alles längst wieder den gewohnten Gang geht und viele meiner guten Vorsätze bereits Geschichte sind, obwohl die Tinte kaum getrocknet ist. Die traurige Ausnahme? Eher nicht. Das Onlinemagazin Forbes berichtete bereits 2013 über eine Studie der University of Scranton, deren Untersuchungen zeigten, dass lediglich 8 Prozent der Menschen ihre Neujahrsziele erreichen. [1] Bedeutet im Umkehrschluss: 92 Prozent der Menschen schaffen es nicht.

Warum gute Vorsätze scheitern

Es liegt nicht nur an mangelnder Willenskraft, dass meine Vorsätze scheitern. Oder daran, dass ich mir nicht genug Mühe gegeben habe. Auch Hindernisse von außen oder mangelnde Unterstützung torpedieren gute Vorhaben. Und das ist keine Ausrede, sondern geht auf eine Studie der Stanford Graduate School of Education zurück. [2] Beruhigend zu wissen, denn in all den Motivationssprüchen schwingt für mich – mehr oder weniger unterschwellig – vor allem das Folgende mit: Streng dich halt noch mehr an, dann schaffst du es auch… und wenn du es nicht schaffst, bist du zu (willens)schwach oder schlichtweg zu faul. Du hast dir einfach nicht genug Mühe gegeben.

Außerdem ist es – natürlich! – auch schlicht eine Frage der Vorsätze. Sind es überhaupt die richtigen Vorsätze? Sind es meine Vorsätze? Oder handelt es sich um diese Art von Vorsätzen, die eigentlich ganzjährig in den sozialen Netzwerken anzutreffen ist? Ihr wisst schon:

  • Detox machen- tatsächlich so richtig mit Saftfasten
  • Social-Media-Detox praktizieren
  • täglich Sport treiben
  • Girl Boss werden und/oder das Business auf Vorderfraumann bringen
  • 5 – 10 Kilogramm abnehmen
  • Vegetarier werden
  • Veganer werden
  • Süßigkeiten oder Knabberkram streichen
  • minimalistischer und nachhaltiger leben

Vorsätze, die unheimlich gut und sehr bewusst klingen und an denen überhaupt nichts auszusetzen ist. Wenn es mein Wunsch ist, täglich Sport zu treiben oder zum Veganer zu werden. Wenn ich es nur tue, weil ich denke, dass ich es tun sollte, werde ich wohl relativ schnell mit einem Käsebrot auf der Couch landen.

Und warum mag ich gute Vorsätze dennoch?

Weil ich masochistisch veranlagt bin. Weil sie mir zeigen, wo es nicht rund läuft. Denn leider gehöre ich nicht zu den bewundernswerten Menschen, die sofort (und ich meine: sofort und nicht zehn Jahre später) spüren, wenn sie vom Kurs abkommen und entsprechend gegensteuern. Als Gewohnheitstier neige ich dazu, Gewohntes oder Bewährtes beizubehalten und das leider länger, als es gut für mich ist. Es heißt ja: Never change a running system. Was ich voll unterschreibe. Dumm nur: Dadurch beschäftige ich mich oft zu spät mit einem System, das vielleicht besser laufen würde oder besser für mich wäre.

40 Prozent unserer täglichen Handlungen beruhen nicht auf bewussten Entscheidungen, sondern auf Routine – das wiederum fanden Forscher der Duke University heraus. Setze ich mich nun wenigstens einmal im Jahr hin, um mir über gute Vorsätze Gedanken zu machen, durchbreche ich diese Routine und merke auf den Punkt, wo es hakt. Weil ich in den Bereichen, in denen es super läuft, nur wenig Lust auf Veränderung verspüre. Natürlich wäre es gescheiter, mehrmals im Jahr innezuhalten, um den Kurs zu überprüfen. Kommt auf die Liste der guten Vorsätze. Solange das aber nicht der Fall ist, nutze ich eben meine guten Vorsätze als Fingerzeig.

Darüber hinaus geht mit guten Vorsätzen auch eine besondere Art der Vorfreude einher. Vorfreude, ihr wisst schon. Das, was uns als Kinder aufgeregt wie ein Flummi durch die Vorweihnachtszeit hat hüpfen lassen. Mich motiviert das sehr und gemeinsam mit diesem Motivationsschub, der mich am Jahresanfang packt, bekomme ich das Gefühl, dass alles möglich ist. Okay, fast alles. Es wäre also sehr dumm, würde ich diese Zeit nicht für mich nutzen, um mit guten Vorsätzen zu experimentieren. Also ja, ich mag gute Vorsätze sehr. Aber ich gebe zu, dass es noch schöner wäre, wenn sie ihre Schubkraft langfristig behalten würden.

Wie gute Vorsätze eine Überlebenschance bekommen

Was lässt eure guten Vorsätze scheitern? Bei mir sind es vor allem zwei Dinge.

• Ich stehe mir selbst im Weg.

•  Rufus, Seine Grantigkeit, erwacht aus dem Winterschlaf. Bei Rufus handelt es sich um eine Abart des gewöhnlichen Schweinehundes. Eine Kreuzung aus Garfield und Alf. Dummerweise ist  Rufus noch sehr viel fauler und undisziplinierter als ich. Wir sind ein wahres Nightmare-Team.

Randnotiz: So langsam wird mir bewusst, warum die Schreiberei dabei helfen soll, den Geist zu klären. Denn so schwarz auf weiß betrachtet… nun ja… sieht es tatsächlich so aus, als stünde vor allem ich selbst mir im Weg. Gut, was also tun, um die Vorsätze ein bisschen länger leben zu lassen? Keine Bange, ich gebe euch diesbezüglich keine Tipps, das wäre ein bisschen unglaubwürdig…

4 Wege, um gute Vorsätze in die Tat umzusetzen

Die Forscher der Stanford Graduate School of Education schlagen folgende Schritte vor, die sich positiv auf die Überlebensdauer von guten Vorsätze auswirken sollen.

⇒Das richtige Einstellung (neudeutsch: Mindset): Wenn  ihr nicht daran glaubt, dass ihr es schaffen könnt, dann werdet ihr es nicht schaffen. So traurig, so wahr. Daran gibt es auch nichts zu rütteln – ich habe es selbst getestet. Mehrmals.

⇒Schrittchen für Schrittchen oder steter Tropfen höhlt den Stein: „Wenn du genug Zeit mit etwas verbringst, wirst du gut darin.“ Sagt Daniel Schwartz, Dekan der Stanford Graduate School of Education. Und das gilt natürlich positiv wie negativ. Beispiel: Wenn ihr euch jahrelang einredet, wie unfähig ihr seid oder wie wenig ihr auf die Reihe bekommt, dann ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wenn ihr euch am Jahresanfang verstärkt mit Selbstakzeptanz beschäftigt – aber Wunder solltet ihr keine erwarten. Obwohl ich durchaus an Wunder glaube. Dennoch: Eine jahrelange negative Gehirnwäsche lässt sich nicht in vier Wochen ungeschehen machen. Auch nicht in acht oder zwölf – auch das habe ich ausprobiert. Also: Habt Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

⇒Vorsätze sind keine Ziele. Tut ihr euch schon schwer damit, eure Ziele zu erreichen? Dann wird es mit den Vorsätzen nicht leichter. Denn: gute Vorsätze sind Vorsätze und keine Ziele. Ein Vorsatz ist eine vage Idee, Ein „Ich könnte mal…“ oder ein „Ich würde gerne…“, aber das reicht nicht, um mit vollem Einsatz bei der Sache zu bleiben und die nötige (Selbst)Disziplin an den Tag zu legen. Und wie wird ein Vorsatz zu einem Ziel? Mit der richtigen Strategie. Womit wir dann ratzfatz beim Thema Zielsetzung wären, aber das würde den Rahmen hier sprengen.

⇒Achtsamkeit und Meditation – auch hier wieder. Schon wieder. Und warum das? Weil das Erreichen der Ziele mit den nötigen Soft Skills leichter gelingt. Hierzu gehören unter anderem Impulskontrolle, Willenskraft, Selbstdisziplin oder die Fähigkeit, beim Denken die eingefahrenen Bahnen zu verlassen. All diese Fähigkeiten sind bereits in uns angelegt, so Jelena Obradovic von der Stanford Graduate School of Education, allerdings werden sie in der Kindheit angelegt. Sollte es da irgendwo gehakt haben, könnten die Soft Skill womöglich ein wenig Unterstützung vertragen und hier kommen  eben Achtsamkeit und Meditation ins Spiel, denn die sind gewissermaßen das „Soft Skill“-Workout. Wie ein sanftes Muskeltrainig.

3 Fragen, die ich mir stelle. Oder: Theorie und Praxis – Folge 3019

All die Theorie ist richtig und wichtig. Aber. Ein dickes, fettes ABER: Wenn Kopf und Bauch nicht an einem Strang ziehen, ist alles zum Scheitern verurteilt. Und darum frage ich mich folgendes:

  • Will ICH es wirklich oder sollte ich es nur wollen? 
  • Bin ich wirklich bereit für diese Veränderung?
  • Wie realistisch ist mein zum Ziel gewordener Vorsatz überhaupt?

Bin ich wirklich bereit, aktiv zu werden? Habe ich genug vom Konjunktiv? („Es wäre so schön, wenn…“ und „eigentlich könnte ich doch mal…“)? Nutze ich meine Ratgeber und Kurse nicht mehr nur, um so zu tun, als würde ich ein paar Schritte in die richtige Richtung machen – weil ich mich ja zumindest schon mal theoretisch an die Sache ranspirsche? Dann stehen die Chancen gut, dass ich nicht beim ersten Hindernis einknicke und mich mit der Kuscheldecke auf die Couch setze…

Und hier liegen auch die Knackpunkte dafür, dass ich mittels guter Vorsätze z.B. tatsächlich meine Ernährung umstellen und mehr Bewegung (Yoga, Walken, Workouts) in meinen Alltag integrieren konnte. Aber wenn es um die Selbstvermarktung geht oder darum, öfter mal mein Schneckenhaus zu verlassen… keine Chance bisher. Die zweite Reihe ist mir einfach sehr viel lieber als das Rampenlicht – zumindests war es bisher so. Na schauen wir mal, wie es in diesem Jahr läuft. Denn unter uns: Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Idee, dass ich mein Schneckenhaus mal verlassen sollte, tatsächlich zum Vorsatz wird. Oder gar zum Ziel…

Wie sieht’s bei euch aus? Habt ihr (noch) gute Vorsätze oder habt ihr euch schon längst davon verabschiedet?

Wie auch immer ihr es handhabt: Viel Spaß und Erfolg dabei. ;)

Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

Henry Ford

Quellen: 

[1] Forbes.com: Just 8% of People Achieve Their New Year’s Resolutions. Here’s How They Do It.
[2] ed.stanford.edu: How to let go of your New Year’s resolutions — and everything you think they say about you