Wovon hängt es ab, ob ich glücklich bin und einen fantastischen Tag habe? Vom Kaffee am Morgen? Vom Wetter? Von der Anzahl der Likes auf Instagram? Davon, ob ich ein Kompliment bekomme – oder mehrere? Vielleicht…

Nur: Was geschieht, wenn einer oder gar mehrere dieser Glücksfaktoren ausbleiben? Dann zerplatzt mein Glück seifenblasengleich. Ich werde nervös. Hibbelig. Checke im Sekundentakt die Social-Media-Kanäle und kann es nicht fassen, dass ich kein Feedback bekomme. Ich übe mich in der Kunst des Fishing for Compliments, um mir von irgendwem, den ich persönlich nicht mal kenne, versichern zu lassen, wie liebenswert ich bin, obwohl ich mich eher für Schneewittchens Stiefmutter halte. Ich fühle mich elend, wenn anderen (virtuell) übers Köpfchen gestreichelt wird, während ich leer ausgehe. Mein Selbstwertgefühl ist im freien Fall. Ich werde süchtig nach Bestätigung von außen, wohl wissend, dass ich mein Glück damit in fremde Hände lege. Ich fühle mich ohnmächtig. Und das macht mich erst recht unglücklich.

Bis ich mich daran erinnere, dass mein Glück in dem liegt, von dem ich denke, dass es mich glücklich macht. Und von dem ich will, dass es mich glücklich macht. Sonne oder Regen. Eine Umarmung oder ein Lächeln, manchmal auch ein Tritt in den Allerwertesten. Ein gutes Buch oder ein gutes Gespräch. Gemeinsam Tränen lachen und gemeinsam Tränen trocknen – meine und andere. Manchmal ist die Abwesenheit von Unglück (m)ein Glück. Und manchmal die Tatsache, dass aus einem Unglück keine Katastrophe wurde.

An einigen Tagen bin ich so glücklich über mein Leben, dass ich alle Welt umarmen möchte und an anderen Tagen bringt mich dasselbe Leben dazu, Rotwein zu trinken und mir anschließend die Decke über den Kopf zu ziehen – obwohl der einzige Unterschied der ist, dass ich mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden bin und eine andere Kaffeetasse verwendet habe. Wenn ich Glück habe, fällt mir ein, dass ich in dem Moment glücklich bin, in dem ich beschließe, glücklich sein zu wollen. Oder zumindest nicht todunglücklich. Wenn ich Pech habe, ist das Spektakel in meiner Abwärtsspirale so atemberaubend und überzeugend, dass ich mich davon mitreißen lasse.

Guter Kaffee und ein gutes Gespräch oder ein aufrichtig gemeintes Kompliment helfen allerdings. Immer. Und natürlich meine Kuscheldecke. Denn unter der verstecke ich mich manchmal und bin einfach nur glücklich darüber, dass morgen ein neuer Tag beginnt.

Ich kann immer wählen. Aber ich muss mir bewusst sein, dass ich, wenn ich nicht wähle, trotzdem wähle.