#kannSpurenvonIronieenthalten

Könnt ihr euch noch an die Prä-Instagram-Zeit erinnern? Ich mich schon. Damals dachte ich, dass es kaum etwas Frustrierenderes geben könne, als ständig mit diesen wunderschönen Frauen aus Zeitschriften und Magazinen konfrontiert zu werden. Aber: Es waren halt „nur“ Models – für genau dieses Bild perfekt in Szene gesetzt. Dann kam Instagram. Und ich erkannte: Diese Frauen aus den Magazinen gibt es wirklich! Die wohnen alle auf Instagram!

Einerseits inspirierend, zugleich aber auch ein bisschen frustrierend, ständig diese #classy and #fabulous High-Fashion-Frauen anzuschauen, die immer „das Richtige“ tragen und – das muss ich neidlos anerkennen – darin auch eine atemberaubende Figur machen. Damit hätte ich noch leben können. Doch dann machte ich dummerweise einen falschen Klick…

Nur Problemzonen…

Zeit, der Wahrheit ins Gesicht sehen: Ich besitze weitaus mehr Problemzonen als Kopf (innen), Bauch (außen), Oberschenkel (auch außen) und was weiß ich… ich würde sogar sagen, dass meine Oberschenkel in akzeptablerem Zustand sind als die Küche oder das Bad allerdings arbeitet die Zeit klar für Küche und Bad. Aber angesichts fantastischer (und das meine ich wirklich ernst!) Bilder der Kategorie „Deko & Wohnen“ muss ich gestehen, dass meine ganze Wohnung Schrott ist. Ja, Wohnung. Kein Haus, kein Loft, kein venezianischer Palazzo… damit fängt’s doch schon mal an. War mir zwar auch vor Instagram bewusst, aber nicht in dem Maß. Ehe ich jetzt also überhaupt irgendjemanden zu mir nach Hause einlade, wird mein potenzieller Gast folgende Fragen beantworten müssen:

• Hast du jemals Wohnblogs/entsprechende Instagramfeeds konsumiert?

• Glaubst du, dass es in der Durchschnittswohnung so auszusehen hat, wie in  Blogs/auf Instagram dargestellt?

Lautet die Antwort nicht zweimal „Hä? Blogs, Instagram? Was’n das?“, werde ich leider sagen müssen: „Gut. Wir treffen uns im Dönerladen umme Ecke.“ Vorher muss ich allerdings noch mal schnell schauen, was man derzeit so trägt, wenn man eine derartige Location aufsucht – Dönerläden sind bei den Fashionistas auf Instagram echt unterrepräsentiert. Sollten das Repertoire mal um grünen Tee, Smoothies und Avocado-Sandwiches erweitern, um eine neue Zielgruppe anzusprechen.

Die Instagram-Krise

Nicht falsch verstehen – ich mag Instagram wirklich gerne, denn der Umgangston, den ich dort erlebe, ist durchweg herzlich und freundlich. Sehr angenehm. Und ehrlich gesagt spricht mich auch die Ästhetik der Bilder sehr an. Normalerweise. An manchen Tagen allerdings – also wenn wir Neumond haben, am dritten Tag meines Eisprungs, fünf Tage vor dem PMS oder wenn die Chips alle sind – packt der Miesmacher in mir aber doch die Keule aus und zieht sie mir über die Rübe. Ich fühle mich schlecht. Meine Wohnung ist Schrott, ich bin Schrott nicht so fotogen, wie ich’s für Instagram sein sollte und während andere nach zwei Monaten locker die 500er-Marke knacken, dümpele ich bei 60 – 70 (sehr netten! Ich grüße euch! <3 ) Followern rum. Warum? Was mache ich falsch?! Ha, ich weiß es: Es liegt an mir! Ich bin blöd, hässlich, mein Leben ist stinklangweilig und meine Wohnung macht zu wenig her. Das wusste ich zwar schon, doch nun werde ich dafür abgewatscht und das tut weh.

Herzchengarantie: Die ultimativen Instagram-Tipps!

Aber nicht mit mir. Ich habe den Profis mal über die Schulter gelinst und mir ein paar Ideen abgeschaut. Ob und wie ich die jemals anwenden werde, bleibt abzuwarten. Meine Möglichkeiten sind ja auch begrenzt. Aber um die Spielregeln brechen zu können, muss ich sie ja erstmal kennen. Also:

Instagram-Must-haves von A-Z für tolle Bilder

Neben Perlen, Glassteinchen, Glitzerzeug, Tassen, hübschen Schreibutensilien und diversen dekorativ-fotogenen Accessoires und Kosmetikartikeln gibt es Must-haves, die jedes Bild aufwerten.

• Apple-Teile (Mac + iPhone)

• Blumen: frische Blumen, Kunstblumen, getrocknete Blumen (keine vertrockneten Blumen!) sowie Blüten aller Couleur

• Coffee Table Books (Heißen bei mir eigentlich Bildband, aber ich möchte euch nicht mit altertümlichen Ausdrücken verwirren.)

• Duftkerzen (Nur richtig teure, deren Namen ich wahlweise noch nie gehört habe oder angesichts der Preise sofort wieder vergesse.)

• Süßigkeiten (Nur die hübsch anzuschauenden, am besten original aus Paris eingeflogene Macarons von Ladurée oder umwerfende Cupcakes. Gibt übrigens aus der Tiefkühltruhe leckere Macarons von Rewe, ihr müsst ja niemandem erzählen, woher ihr das Zeug habt.)

• Zeitschriften (Mode, am besten die Vogue oder die InStyle, alternativ Finanzblätter oder Insider-Magazine, die Stil und Geschmack mit Tiefgang vermuten lassen.)

Arrangiert wird das wie zufällig ins Bild gepurzelte Zeug wahlweise auf schneeweißem Untergrund (Bett, Schreibtisch, Teller, WC-Deckel) oder auf richtig rustikalem Holz. Macht euch beim Arrangement keine Gedanken darüber, ob es nicht ein bisschen schräg wirkt, wenn ihr ein Seidenfummelchen und Kaschmir-Overknees tragend mit einer Kaffeetasse in der Hand im Bett liegt und die Sonnenbrille (Dior od. Ray Ban) in Reichweite deponiert ist. Das muss so sein. Wir sind auf Instagram. Ich muss schließlich auch erst den Glitzer von meinen Notizbüchern pusten und ein paar Trockenblumen zur Seite schieben, ehe ich an die Arbeit gehen kann.

Locations

Bett: Weiße Bettwäsche – unbedingt auf genau die richtige Art zerwühlt, dazu Kaschmir-Overknees zu gebräunten Beinen und obenrum ein Seiden/Spitzenfummelchen plus Cardigan, Tasse in der Hand halten und es #cozy, #lazy(afternoon) nennen.

Flur vor dem Ganzkörperspiegel: Im Hintergrund ist mindestens ein Paar Designerheels zu sehen. Besser mehr. Hashtags: #ootd #selfie und Markenauflistung der einzelnen Outfitbestandteile.

Für die Fitnessjunkies: Fitnessstudio oder in stylishen Trainingsklamotten vor dem heimischen Ganzkörperspiegel (#fit, #healthy, #healthyliving, #healthylive, #gymlove, #fitforlife, #fitnessjunkie). Alternativ Bild aus der Küche mit frisch gepresstem Saft, einem Pancaketower, so hoch wie der Eiffelturm, oder Müsli mit Obst (das heißt dann #breakfastbowl) und dazu ein Sport- oder Fashionmagazin.

Schenk mir (d)ein Herz

Kommen wir zu dem, worum es tatsächlich auch geht: die Herzchen. Selbstverständlich instagramme ich nur für mich… klar… aber wenn ein Bild völlig im Sande verläuft und niemand darauf reagiert, ist das schon ein bisschen deprimierend.

Herzchengarant Tassen und Blumen:  Mit Kaffee, Tassen oder Kaffeetassen seid ihr auf der Herzchenseite, gerne auch kombiniert mit einem #gutenmorgen. Ich mache das im Rahmen meiner Einfallslosigkeit immer mal wieder und es funktioniert immer. Hashtags: #coffee, #coffeelover #coffeelove #ilovecoffee #coffegram #time4coffee #coffeetime  #coffeebreak #coffeeaddict #kaffee #tassenliebe #tassensammlung #kaffeeliebe #kaffeepäuschen #kaffeepause

Perfekt nach der langen Winterpause ist natürlich auch alles, was „Frühling!“ schreit:  Wobei Blumen (#instaflowers, #flowerstagram, #flowers #flowersoftheday #flowersofinstagram ) ganzjährig gehen. Nebenbei bemerkt ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Erfolgsinstagrammer immer einen tollen Blumenstrauß griffbereit hat. Oder einen Blumenstand. Sind die Blumen nicht in der richtigen Vase (welche ist das eigentlich? Ich habe keine Ahnung…) arrangiert, sondern freilaufend, weil ihr extra für einen super Schnappschuss zur Tulpenblüte nach Holland gefahren seid (#ebenamwegesrand) , verseht ihr sie zusätzlich mit #landscape, #landscapelovers, #nature und #naturelovers.

Essen geht immer: Es ist nur kein Essen mehr. Sondern #eeeeeats oder #foodporn [Überhaupt ist alles #porn! Himmel und/oder Wolken sind nicht einfach #sky oder #clouds – sie sind #cloudporn und #skyporn.  Gleiches gilt für Blumen (#flowerporn), Smoothies (#smoothieporn) und was weiß ich. Wie gesagt: es ist alles #porn, nur der echte P. ist verboten, weil IG eine saubere Plattform ist]. Aber zurück zum Essen: das ist idealerweise #healthy, #fitandhealthy, #fresh, #homemade oder eine #lunchbowl. Eine einfache Obst- oder Müslischale geht gar nicht mehr. Es muss schon eine #breakfastbowl mit frischen/möglichst exotischen Zutaten sein. Wie bitte? Ihr habt nur einfaches Obst? Und was wollt ihr dann auf Instagram?

Kosmetikgedöns kommt auch gut an: Vielleicht gleich die Ausbeute vom letzten Shoppingflash (#haul, #newin) ansprechend auf rustikalem Untergrund mit Glitzer oder ein paar zarten Blüten drumrum anrichten. Der Kontrast ist wichtig! Alternativ funktioniert alles, was schreit: Hallo, hier ist die Dependance von Prinzessin Lillifee. Oder: Ich darf das, #weilicheinmädchenbin. Hashtags: #beauty, #essentials, #lipstick und für Nelfies (=Nagellack-Selfies) #notd. Sehr wichtig: Die Kosmetikartikel müssen wirklich gut aussehen – und zwar nicht nur auf der Haut, sondern auch in der Tube. Zum Glück haben die Hersteller endlich begriffen, dass es mittlerweile um „Skintertainment“ geht und setzen immer öfter auf Instagram-freundliches Packaging.

Lust auf Herzchen, aber keine Ideen: Wenn euch partout nichts einfällt, um am Geschehen teilnehmen zu können, ihr aber eure tägliche Herzchen-Dosis benötigt, funktionieren #instadaily oder #photooftheday (#potd) und es ist völlig wurscht, welches Motiv damit verhashtaggt wird. Alternativ stellt ihr euch irgendwo hin, richtet die Kamera auf eure Schuhe und hashtaggt das mit #fromwhereistand. Fragt mich bitte nicht nach dem Sinn, das ist eben so. Hier wird nichts hinterfragt, weil wir auf Instagram sind und nicht bei Utopia.

Der perfekte Hashtag um altes Zeug unters Onlinevolk zu bringen: Gewissermaßen der Dia-Abend bei Oma sind #thowbackthursday (#tbt) oder #latergram. Meiner Meinung nach sollte wohl ein Großteil der Bilder diese Hashtags tragen. Die sorgsam arrangierten, erst mit der Kamera eingefangenen, dann am PC bearbeiteten und anschließend wieder hochgeladenen und eventuell noch mit einem Filter versehenen Kompositionen werden ja selten direkt nach der Aufnahme rausgehauen – also bei mir nicht. Aber wenn ich permanent rumpingeln wollte, wäre ich bei Facebook und nicht auf Instagram.

Und der Klassiker: Zitate. Gehen immer, passen fast immer. Ich liebe sie und ich kann und will nicht ohne. Zitate sind gewissermaßen das, was ich früher im Bücherregal nach vorne gezogen habe, wenn Besuch kam, den es zu beeindrucken galt. Zitate sind allerdings mitnichten der Beweis dafür, dass ich der jeweilge Instagrammer besonders belesen ist oder das Leben durchschaut und voll im Griff hat … sie zeigen in erster Linie, dass ich da jemand tolle Zitate ausbuddeln und sie hübsch ins Bild setzen kann. Nicht mehr, nicht weniger – aber das bleibt bitte unter uns. Das Schöne an Zitaten ist, dass ihr euch und dem Rest der Instagramwelt die volle Hashtag-Dröhnung geben könnt. Je nach Zitat z.B:

#zitate #zitateundsprüche #lebensweisheiten #glück #Selbstliebe #lebedenmoment #selbsterkenntnis #selbstfindung #zitatdestages #achtsamkeit #motivation #spruch #instaquote #quoteoftheday #quoteofinstagram #creativelifehappylife #lifecoaching #jointhejourney #thejouneymoment #trustthejourney #findjoyinthejourney #happinessquotes #happinesss #happinessisachoice #happinessisthekey #happinesscomesfromwithin #happinessisastateofmind #upgradeyou #upgradeyourworld #upgradeyourself

Extra-Tipp: Marken als Hashtags

Da nicht davon auszugehen ist, dass Marken von allen richtig geschrieben werden und die Smartphonetastaturen ohnehin ziemlich winzig und eine Tortur für Wurstfinger sind (ich weiß, wovon ich rede), empfehlen sich auch Hashtags mit der falschen Schreibweise einer jeden Marke und da dürft ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen. Versucht es also ruhig mit: #versatsche, #fersatsche, #diohr, #dieohr #chanelle #schanelle etc. Sicher ist sicher. [Und nun bekommt die falsche Schreibweise mal wieder ausm Kopf. Viel Spaß dabei.]

So. Das ist doch ne Menge Input auf dem Weg zum erfolgreichen Instagrammer? Also : Immer schön am Ball bleiben und wir sehen uns dann auf Instagram. Und nicht vergessen: Immer locker bleiben, das soll schließlich Spaß machen und total lässig und authentisch wirken. ;)

Tipps für Instagram - das perfekte Bild

P.S: Noch ein Extra-Tipp gefällig? Gerne. Ihr wollt mehr Abonnenten? Richtig viele? Dann solltet ihr erstmal nahezu jedem folgen. Jedem. Wie bitte? Aber die Bilder sind nicht euer Ding und ihr interessiert euch null für die Person? Egal. Augen zu und klick. Dieses inflationäre Verfolgen macht natürlich umso mehr Eindruck, je mehr Abnonnenten ihr bereits habt (ich weiß, jeder fängt mal klein an, das ist ja der Mist). Denn ein kleines Instalichtlein fühlt sich natürlich waaaahnsinnig geschmeichelt, wenn ihm ein großer Fisch folgt – also folgt es mit ziemlicher Sicherheit zurück, weil es sich sehr gebauchpinselt fühlt. Da es aber wesentlich cooler aussieht, 30.000 Abonnenten zu haben, als 30.000 Instagrammern zu folgen, müsst ihr den kleinen Lichtlein nach einer Weile logischerweise wieder klammheimlich entfolgen. Aber Vorsicht, manche nehmen so ein Verhalten echt übel und entfolgen euch prompt wieder. Es gibt sogar Apps, mit denen sich überprüfen lässt, wer einem entfolgt ist. Das aber nur am Rande, denn da befinden wir uns bereits in der spaßbefreiten Zone und die ist in diesem Blog das, was bei Harry Potter der Verbotene Wald ist.

 

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