Kennt ihr auch nur eine Story, in der die Heldin aufbricht, um ihr Ziel zu erreichen – und eine superbequeme Reise hat, ohne jegliche Probleme? Nein? Überraschung: Das ist im wahren Leben leider auch nicht anders. Zumindest nicht in meinem. Ich gerate ins Straucheln, drehe mich im Kreis und komme einfach nicht voran. Woran liegt’s und was hilft? 

Der Schweinehund in mir grantelt gerade ein bisschen. Er hadert mit mir, mit sich und dem Rest der Welt. Er ist ein wenig müde. Und mir geht es ebenso. Eben waren es noch die Neujahrsvorsätze, die Veränderungen anmahnten, doch während die ersten davon bereits wieder in Vergessenheit geraten sind, herrscht in den sozialen Netzwerken weiterhin Aufbruchsstimmung. Neues Jahr, neues Glück – und wenn das Jahr nicht mehr so ganz frisch ist, besinnen wir uns einfach auf jeden einzelnen Tag: Es liegen schließlich 24 niegelnagelneue Stunden vor uns, die wir genießen dürfen. Oder eher: genießen müssen. Wenn zum Genießen überhaupt noch Zeit bleibt, denn nebenbei sollen wir ja auch noch unsere Wünsche und Herzensziele entdecken und unliebsame Verhaltensweisen aus unserem Leben fegen. Unzählige Organzier, Kurse oder Coachings weisen uns den Weg. Und damit wir nicht vergessen, dass Stillstand der Anfang vom Ende ist, bringen wir uns mit Motivationssprüchen und Zitaten auf Kurs.

Bei mir funktioniert das für eine Weile auch ziemlich gut. Irgendwann jedoch fühle ich mich wie der Esel, dem man eine Karotte für die Nase hält. Zumal es ja auch so eine Sache mit den Veränderungen ist. Oft will ich zu schnell zu viel. Oder ich rechne mit weniger Widerstand. Und manchmal bin ich ehrlich gesagt auch noch gar nicht bereit dafür, meine Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, nur war mir das vorher noch nicht klar…

Märchen, Wunschvorstellungen und Enttäuschungen

Bei Cinderella war es ein Schuh, der alles veränderte. Andere sagen „Goodbye Deutschland!“ und krempeln radikal ihr Leben um. Und manche finden vor laufenden Fernsehkameras genau diesen einen Menschen, mit dem plötzlich alles anders wird… solange die rosarote Brille nicht von der Nase rutscht. Ich liebe Storys mit Happy End und wenn ich einen extra Motivationsschub nötig habe, kann ich mir durchaus in Endlosschleife „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ oder andere Filme/Bücher zu Gemüte führen, die da irgendwas in mir anstoßen. Dennoch taugen Märchen, Filme oder Doku-Soaps nur bedingt als Orientierungshilfe. Unterschwellig suggerieren sie mir nämlich: Einfach den Hebel umlegen und schon läuft es wie ein gut geöltes Maschinchen. Na wenn das mal so einfach wäre.

Denn tatsächlich gerät zumindest meine Veränderungsmaschinerie nach dem ersten Motivationsschub gerne mal ins Stocken und damit bin ich nicht alleine. Statistisch gesehen scheitern 25 Prozent aller guten Vorsätze nach wenigen Wochen.  Und das Onlinemagazin Forbes berichtete über eine Studie der University of Scranton, deren Untersuchungen zeigten, dass lediglich 8 Prozent der Menschen ihre Neujahrsziele erreichen. [1] Bedeutet im Umkehrschluss: 92 Prozent der Menschen schaffen es nicht.

Dazu geistert erschreckend oft die Vorstellung durch meinen Kopf, dass sich durch diese eine Veränderung – egal welche – mein ganzes Leben gravierend ändern wird. In jedem Bereich. Selbst wenn ich nur eine neue Morgenroutine eingeführt habe oder mehr Sport treibe. Im Grunde weiß ich natürlich, dass das Blödsinn ist und ich der „kleinen Veränderung“ da ein bisschen viel aufbürde. Also gehe ich die Sache von Anfang an eher halbherzig an, um mir die Enttäuschung der Erkenntnis [hm… jetzt stehe ich zwar früher auf, aber weder regnet es rosa Glitzer noch tanzen Einhörner auf meinem Balkon] und somit sind meine Bemühungen natürlich von vornherein zum Scheitern verurteilt.

4 Hürden, die der Veränderung im Weg stehen

Es könnte so einfach sein…. na okay… zumindest weniger schwierig, würden nicht ständig irgendwelche Hürden auftauchen, die mir auf meinem Weg zum neuen Ich ein Bein stellen. Vornehmlich die folgenden:

Mangelnde Unterstützung: Oft sind es Hindernisse von außen oder mangelnde Unterstützung, ein ausbremsender Faktor – stellten Forscher der Stanford Graduate School of Education fest [2]

Der innere Saboteur übernimmt das Ruder:  Und sein einziges Ziel scheint es zu sein, dass ich meine Ziele nicht erreichen. Das macht er nicht unbedingt aus Böswilligkeit. Manchmal möchte er mich schlicht beschützen oder mich vor Enttäuschungen oder Niederlagen bewahren. Weil ich in ähnlichen Situationen eben schon mal schlechte Erfahrungen gemacht haben o.ä.

Innere Glaubenssätze versalzen meine Suppe: Gehört fast noch zum verlängerten Arm des inneren Saboteurs, aber nur fast. Während ich den inneren Saboteur über kurz oder lang erkenne, ist es mit den inneren Glaubenssätzen deutlich schwieriger. Denn wenn ich fest davon überzeugt bin, dass ich etwas nicht verdiene oder es gar nicht erst erreichen werde – wer sollte mich da vom Gegenteil überzeugen können?

Der Schweinehund möchte sein Leckerli sofort haben: Es gibt diese disziplinierten Phasen, in denen ich mir selbst auf die Schulter klopfe. Und dann gibt es die anderen Phasen… ich weiß zwar, dass ich jetzt besser in den sauren Apfel beißen sollte… und was tue ich? Ich wähle Apfelkuchen mit Schlagsahne – auch im übertragenen Sinne. Interessant hierzu das „Marshmallow-Experiment“ des Psychologen Walter Mischel von der Standford University. [3]

Der Prozess der Veränderung läuft nicht linear ab

Bis vor kurzem haderte ich ehrlich gesagt sehr mit mir, weil ich bei angestrebten Veränderungen so oft ins Straucheln gerate. Oder anstatt der sinnvollen Dinge vermeintlich sinnlose mache… obwohl ich es doch besser weiß? Dann kam mir allerdings ein entscheidendes Puzzleteilchen unter. Denn: Es ist völlig normal, dass wir immer wieder ins Straucheln geraten. Einen Schritt vorgehen und zwei zurück. Es ist kein Zeichen dafür, dass wir zu schwach sind. Oder es nicht genug wollen. Dazu Mag. Dr. Annette Wallisch-Tomasch (Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin)

Es ist aber das Andere, eine echte emotionale Einsicht zu haben. Diese ist nicht planbar. Erleben und Fühlen sind irrational und ungebändigt wie ein wildes, freies Tier. Deshalb laufen Prozesse der Orientierung und Lösungsfindung nie linear ab. Es ist ein Auf-und Ab, ein Hin-und Her, ein Fragen und Beantworten. [4]

Die entscheidende Frage, die ich mir stelle…

Ungeachtet aller Hürden, die sich da auftürmen können, habe ich für mich auch bemerkt, dass es eine Frage gibt, die ich zwingend mit einem Ja beantworten können muss. Und diese Frage lautet:

Bin ich überhaupt reif für diese Veränderung?

Denn unabhängig davon, ob es nun die Zeit der guten Vorsätze ist, allgemeine Aufbruchstimmung oder mir mein Verstand sagt, dass ich doch dringend mal dieses oder jenes tun sollte… wenn ich nicht selbst bereit für die angestrebte Veränderung bin, ist alles zum Scheitern verurteilt. So gut kenne ich mich mittlerweile. Nur wenn ich – die Betonung liegt auf: ich – wirklich reif für diese Veränderung bin, habe ich das nötige Durchhaltevermögen, um nicht beim ersten Hindernis das Handtuch zu werfen.

4 Zeichen, die mir zeigen, dass ich reif für diese Veränderung bin

Und woran erkenne ich, dass ich bereit für den Sprung ins kalte Wasser bin? Ganz einfach: Ich träume, wünsche und phantasiere ja gerne mal vor mich hin und das macht mir durchaus auch Spaß. Wenn ich mich allerdings ernsthaft verändern möchte, dann:

• Habe ich genug von Tagträumen und Wunschfantasien.

• Suche ich nicht länger nach Problemen. Sondern nach Lösungen und Wegen.

• Lebe ich nicht mehr länger im Konjunktiv (wie schön wäre es, wenn… ich könnte mal… ich würde gerne…), sondern packe es an. Wirklich.

• Lege ich all meine klugen Bücher in die Ecke, die mir auf die Sprünge helfen sollen und denke: Ich habe mich genug mit der Theorie beschäftigt.

Kurz: Ich bin bereit, endlich anzufangen. Praktisch. 

Insgeheim glaube ich übrigens, dass es diese „Seelensachen“ gibt, die einfach für uns bestimmt sind. Die uns wirklich entsprechen, auch wenn der Verstand immer sein Veto einlegt. Und ich glaube fest daran, dass wir eines Tages dazu bereit sind, das anzupacken, was uns auf der Seele brennt. Weil wir nicht anders können. Genau das ist dann auch der Moment, in dem wir uns auch nicht mehr vom erstbesten Hindernis ins Bockshorn jagen lassen und dranbleiben – eben weil wir nicht anders können. Hier stellt ihr euch bitte eine Fee vor, die auf einem Einhorn in den Sonnenuntergang reitet. ;)

Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim Alten bleibt.

P.S: Meine Leseempfehlungen zum Thema findet ihr in folgendem Post: Der K(r)ampf mit der Komfortzone. Einfach direkt nach unten scrollen und mal einen Blick auf Barbara Sher, Martha Beck und Tony Robbins werfen. ;)

Quellen, Infos & Leseklicks: 

[1] Forbes.com: Just 8% of People Achieve Their New Year’s Resolutions. Here’s How They Do It.
[2ed.stanford.edu: How to let go of your New Year’s resolutions — and everything you think they say about you
[3] Spektrum.de: Interview mit Walter Mischel, dem Pionier der Willenskraftforschung: Selbstkontrolle kann man lernen
[4] Instahelp: Mentale Gesundheit – ein Selbstläufer? Interview zum Tag der Gesundheit mit Mag. Dr. Annette Wallisch-Tomasch

 

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