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Lästern verbindet und ist sozialer Schmierstoff, so heißt es. Da ist durchaus was dran. Dumm nur: Es tut mir nicht  gut und lässt mich biestig und verbissen werden. Ich will das nicht mehr. Zeit für eine Runde Läster-Detox… was ehrlich gesagt gar nicht so einfach ist. 

In schöner Regelmäßigkeit kommen mir Schlagzeilen à la „Gammel-Britney ist zurück“ oder ähnliches unter. Untermalt mit passenden Beweisfotos. Das schwere Vergehen von Flodderqueen Spears in diesem älteren Schlagzeilen-Fall, der sich nachhaltig in mein Gedächtnis gebrannt hat: Sie gönnte sich nach ihrer Tanzstunde kein Style-Upgrade, sondern schlumpfte ungeschminkt im Schluffi-Look aus dem Studio. Schweres Vergehen. Derzeit auch gerne gebasht: Die Königin des Clickbaitings, die Duchess of Sussex – besser bekannt als Meghan Markle. Da Meghans Äußeres allerdings stets tadellos ist, müssen andere Hässlichkeiten her. Also bohrt man hier und da, in der Hoffnung, irgendetwas Verwertbares ans Tageslicht zerren zu können. Und wenn sich diesbezüglich ausnahmsweise mal nichts findet, wird halt detailliert aufgelistet, wie teuer das hübsche Outfit der Duchess ist und schon wird’s wieder hässlich genug für einen Bericht.

Lästern mit Stil?

Mal überlegen… Britney hat nach einem Workout also rein gar nichts von dem Püppchen, als das sie durch ihre Clips tänzelt und sie besitzt noch nicht mal über den Anstand, das abzustylen abzustreiten? Sieht sie außerhalb des Rampenlichts möglicherweise generell eher wie ein Mensch aus, dessen Gedanken nicht 24/7 ums Outfit kreisen? Und wenn Britney mehr von einem normalen Menschen hat, als es die Show-Britney vermuten lässt, wäre es denkbar, dass im stillen Kämmerlein sogar die Duchess of Cambridge (das ist die andere, nämlich Kate) auch nur eine Frau ist, deren Haare nicht immer perfekt geföhnt sind? Und das nicht, weil sie sich gerade mal wieder mit ihrer Schwägerin in den Haaren liegt? Ich muss in mich gehen… welch schockierende Vorstellung…

Ebenso befremdlich finde ich es, Menschen für ein paar Klicks oder die Quote in die Pfanne zu hauen. Auch wenn das mittlerweile gang und gäbe ist – und zwar nicht nur im Fall von Meghan. Das Fernsehen macht’s vor. Ich sage nur: Dschungelcamp (13. Staffel) oder Germany’s next Topmodel (13. Staffel). Nicht zu vergessen die charmanteste und menschlichste aller Lästertanten, die … ähm… der sich seit 2012 durch die Shopping-Malls des Landes lästert: Gudio Maria Kretschmer. Lästern mit Stil? Ich mag Kretschmer tatsächlich irgendwie, aber dauerhaftes Lästern als alleiniges Konzept? Damit kommt nur Guido durch. Wo ist der Spaßfaktor, wenn andere für die Quote niedergemacht werden oder man ihre privaten Fehden an die Öffentlichkeit zerrt? Warum sollte ich miterleben wollen, wie andere verbal in die Tonne getreten oder zum Wurm gemacht werden? Was bringt mir das?

Downgrading der Traumfrauen

Warum ist so ein Zeug Dauerläufer in den Medien? Weil es das Herz der Lästerschwester erfreut?  Dem Zuschauer kurzfristige Befriedigung verschafft und das brachliegende Selbstwertgefühl päppelt? Gebe zu, dass ich angesichts der ungeschminkten oder kosmetisch verunstalteten Promis auch anfangs dachte: Oh wie nett! Das ist ein Bericht nur für uns Frauen, damit wir uns ein wenig darüber freuen können, dass die Reichen und Schönen eben auch nur Menschen sind. Kann man ja zwischenzeitlich mal vergessen. Vor allem in diesen Momenten, in denen der Spiegel nicht dein Freund ist. Nur wenig päppelt das angeknackste Selbstwertgefühl schneller auf, als eine vom Thron purzelnde Red-Carpet-Queen oder die Vorstellung, dass die attraktive Meghan in Wirklichkeit ein feuerspeiender Drache ist, der sein Hündchen seinen Harry dressiert. Aber wertet mich das Downgrading der Traumfrauen tatsächlich auf? Leider nein. Im Gegenteil.

Ab in die Perfektionsfalle

Mal eine Ecke weitergedacht: Was wäre eigentlich, wenn das Betrachten dieser Bilder nicht ohne Folgen bliebe? Und sich unbewusst der Widerhaken einer kleinen, aber fiesen Botschaft im Unterbewusstsein verfangen würde: Etwa:

Frauen, die nicht perfekt sind, sind zum Lästerabschuss freigegeben.

Ein gar nicht so abwegiger Gedanke, oder? Denn wenn nicht mal Angelina, Pamela, Britney oder Meghan vor den Augen der gestrengen Juroren Gnade finden, wer denn dann? Und was ist mit mir? Ich kann es ja selbst an einem guten Tag nicht mit ihnen aufnehmen – geschweige denn an einem schlechten.

Geben wir nun sicherheitshalber gleich die personifizierte Stepford-Frau, die rund um die Uhr und in jeder Lebenslage so aussieht, als könnte sie Veela-gleich jeden verzaubern und nebenbei die Welt retten, während im Ofen das perfekte Mittagessen brutzelt? Oder ist das schon wieder zu viel? Bei aller Perfektion ist es ja auch total wichtig, sehr natürlich und authentisch zu wirken. Sonst gibt’s den nächsten Shitstorm. Einen, über den die andere Duchesse – Kate – ein postpartales Liedchen singen kann. Sieht die nach der Geburt gleich wieder wie aus dem Ei gepellt aus. Unfassbar, die Frau. Oder diese ganzen alternden Hollywood-Schauspielerinnen… die einen sind „zu schlecht gealtert“ und hätten doch mal besser „was machen lassen sollen“, die anderen haben zu viel Botox intus und „sollten doch lieber in Würde altern“… ja was denn nun?

Stop bitching

Ich finde das mittlerweile weder unterhaltsam noch kurzweilig. Sondern einfach nur noch ermüdend. Auch die immergleich Botschaft langeweilt mich, denn die lautet stets: Was auch immer du tust, es ist verkehrt. Wobei zwischen Handlung und Mensch ja kaum noch unterschieden wird. Du tust das/das nicht – also bist du ein schlechter Mensch. Wie im Kindergarten…

Nun finde ich das Älterwerden bisher zwar eher semi-unterhaltsam schon spannend, denn sogar ein lernresistentes Stück wie ich erkennt eines Jahres, dass manche Verhaltensweisen einfach nicht hilfreich sind. Ich vergleiche mich also nur noch an miesen Tagen nicht mehr mit Schauspielerinnen und anderen Traumfrauen es sei denn, sie sitzen direkt neben mir. Das ist Schwachsinn und es hilft niemandem – am allerwenigsten mir. Ebenso verweigere ich mich einer Art der „Berichterstattung“, die nur darauf abzielt, die Betreffenden in die Pfanne zu hauen. Das bringt mir weder Unterhaltung noch Mehrwert – nur richtig schlechte Laune.

Stop bitching. Das wird an manchen Tagen zwar nicht leicht sein, zumal manche Menschen eine echte Herausforderung sind, aber ich schaffe das. Weil ich es will und weil ich es mir wert bin. Schönheit kommt nämlich tatsächlich auch von innen und der äußerlich schönste, aber mit biestigen und missgünstigen Gedanken erfüllte Mensch, ist genau so lange schön, bis er den Mund aufmacht und losbiestert. Da wünschst du dir doch ganz schnell Photoshop fürs Innenleben her… ;)

[Mein How-to zum Läster-Detox packe ich in einen separaten Post. Ich hatte zwar schon damit begonnen, das hier reinzudrechseln, aber das hätte jedes Maß gesprengt. Der Post hat auch so an die 1000 Wörter.]

Zitat Audrey Hepburn.jpg

Hier geht’s zum zweiten Teil: Schadenfreude – wirklich die schönste Freude?