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Am anfälligsten für Schadenfreude und Lästereien sind wir, wenn unser Selbstwertgefühl die Größe einer Erbse hat – las ich. Leider, und das gebe ich wirklich nicht gerne zu, kann ich das auch bestätigen. Das ist nichts, worauf ich stolz bin. Also höchste Zeit, andere Wege zu gehen. Für mich. Und für meine Mitmenschen. 

[Teil 1 lest ihr hier: Läster-Detox: Nichts zu (be)richten] Vor einigen Monaten kam mir in einer alten Ausgabe der Psychologie Heute ein interessanter Artikel unter, der seine Wirkung langsam, aber nachhaltig entfaltete und den ich sicher nicht vergessen werde. Ich lasse euch mal ein wenig daran teilhaben.

Das Zeitalter der Schadenfreude

Wir leben in einem Zeitalter der Schadenfreude. Sage nicht ich, sondern Richard Smith von der University of Kentucky, der dem Thema ein Buch gewidmet hat. Die Schadenfreude trefft ihr dabei nicht nur auf RTL oder Pro7, sondern sogar in der New York Times. 62-mal schaffte es die Schadenfreude im Jahr 2008 in die Times – 1985 hingegen nur einmal. [1] Smith hat das überprüft. Das psychologische Grundmotiv der Schadenfreude ist der soziale Vergleich. Und da die Schadenfreude eher passiv ist, wir dem Opfer also keinen direkten Schaden zufügen [wir haben die Teilnehmer schließlich nicht selbst ins Dschungelcamp gefahren oder sie Heidi zum Fraß vorgeworfen und überhaupt darf jeder gebasht werden, der sich in die Öffentlichkeit wagt], verspüren wir auch recht wenig Schuldgefühle dabei. Smith bezeichnet Schadenfreude als „Rache light“ – quasi ein Magerjoghurt voller Geschmack, dabei aber fett- u. kalorienarm. Smith, der akribisch recherchiert und unzählige Studien ausgewertet hat, förderte interessante Erkenntnisse zutage, u.a.:

Wir neigen besonders dann zur Schadenfreude, wenn wir uns unterlegen fühlen. Nichts päppelt das angeknackste Selbstwertgefühl besser auf, als der peinliche Ausrutscher eines Menschen, dem wir uns normalerweise unterlegen fühlen – in welchem Punkt auch immer.

Besonders neidische Menschen wachen mit Argusaugen darüber, wer wo ins Straucheln gerät – damit ihnen nur ja nichts entgeht und sie sich ein bisschen größer fühlen können.

Am anfälligsten für Schadenfreude und Lästereien sind wir in den Momenten, in denen unser Selbstwertgefühl die Größe einer Erbse hat.

Smith stellt allerdings auch klar, dass es ausgeschlossen ist, dass wir unser mickriges Selbstbewusstsein nur mithilfe von Schadenfreude dauerhaft stärken können. Da müssen wir schon mehr aufbieten und tatsächlich an uns arbeiten und ehrlich gesagt finde ich das beruhigend zu wissen.

Also alles im grünen Bereich?

Schadenfreude ist menschlich, sagen Psychologen. Oft genug kommen mir auch Artikel unter, die die positiven Aspekte der Lästerei hervorheben. Sie verbindet, wirkt wie sozialer Schmierstoff  oder uns lenkt und kurzzeitig von unseren eigenen Problemen ab. Alles schön und gut und leider auch richtig. Weiß jeder, der schon mal gelästert oder (gemeinsam) der Schadenfreude gefrönt hat. Nun habe ich kein Problem damit, beispielsweise über die Outtakes aus „Der Teufel trägt Prada“ zu lachen, etwa wenn Andrea oder Emily sich in Heels, in denen ich keine zwei Meter überleben würde, auf die Nase legen. Auch ist der Grat zwischen „Dampf ablassen“ und „lästern“ ziemlich schmal.

Dennoch bleibt der Punkt mit dem Magerjoghurt. Schadenfreude ist nicht nur „Rache light“ – sie ist auch bestenfalls „Freude light“. Wenn übehaupt. Es verhält sich da so ähnlich wie mit der Tüte Chips. Es fühlt sich zwar „irgendwie gut an“, wenn ich die ersten Chips aus der Tüte fische, aber letztendlich hätte ich mich besser gefühlt, wenn ich die Willenskraft aufgebracht hätte, die blöde Tüte gar nicht erst aufzureißen. Die traurige Wahrheit ist auch: Ich habe bereits zu viel Zeit damit vertrödelt, mich in fruchtlose Jammereien und Lästereien zu verstricken. Es hat mir nichts gebracht. Geschweige denn, dass es je irgendwas an meiner Situation zum Positiven verändert oder mein angeknackstes Selbstwertgefühl gekittet hätte. Also streiche ich das. So wie ich gerade unnützes Zeug aus der Ernährung verbanne, das mir zu schwer im Magen liegt – und wenn es im ersten Moment noch so gut schmeckt. Es ist nicht gut für mich? Also fliegt es raus. So die Theorie.

Den Gedankenterrier an die Leine nehmen

Ich bin nicht immer nur liebevoll und mitfühlend unterwegs, aber ich arbeite dran, es zu werden. Na gut, streicht das. Ich versuche mein Bestes und das muss reichen. Fakt ist: Es gibt durchaus einiges, was meinen Widerspruchsgeist reizt, was völlig in Ordnung ist. Bisher konnte ich mich allerdings durchaus mal wie ein Terrier in eine Antipathie irgendwas verbeißen. Das könnte ich immer noch, aber ich will es nicht mehr. Sobald mir also bewusst wird, dass da jemand etwas meinen „Ich bin ein Gänseblümchen“ -Modus durchbricht und irgendwas in mir triggert, werde ich hellhörig.

Ich schaue, was das mit mir zu tun hat. Denn so viel weiß ich mittlerweile über mich: Wenn mich  irgendetwas besonders positiv oder auch negativ berührt, hat das immer was mit mir zu tun. Logisch, oder? Wenn mich eine Sache/Person nicht interessiert, beschäftige ich mich nicht weiter damit und gehe einfach weiter. Geschweige denn, dass ich alles begierig aufsauge, was über diese Person berichtet wird. Ich komme ja auch nicht auf die Idee, Magazine über das Hochseeangeln zu lesen oder mir das Musikantenstadl anzusehen, weil mich beides nicht interessiert. Also: Wo ist der Knackpunkt? Wo fühle ich mich unterlegen, was kann ich an mir verbessern? Wenn ich das für mich aufgedröselt habe (was manchmal durchaus ein paar Wochen dauern kann), erledigt sich das Thema meist von selbst. Weil ich mich automatisch auf das konzentriere, was ich an mir ändern kann und nicht auf das, was mich beim Gegenüber stört. Was ja auch wesentlich sinnvoller ist, denn noch nie hat sich irgendjemand mir zuliebe geändert oder störende Verhaltensweisen abgelegt, nur weil ich ein bisschen rumgestänkert habe.

• Habe ich zwar aufgedröselt, was mich nervt, kann aber aus irgendwelchen Gründen trotzdem nicht davon ablassen, zerre ich meine Aufmerksamkeit mit Gewalt dorthin, wo ich sie haben will. Stellt euch hier bitte einen bockigen Terrier vor, der fuchsteufelswild ist, weil ich ihn von seinem aktuellen Lieblingsknochen wegziehen möchte. So in etwa fühlt sich das an. Es ist Arbeit. Aber es funktioniert. Und am besten klappt es, wenn ich dem kleinen Terrier interessantere Alternativen biete: Ein gutes Buch, Sport, schreiben oder zur Not mal wieder einen „Harry Potter“-Marathon.

Beobachtung nach den ersten 5 Monaten und ein kleines Zwischenfazit

Es ist nicht so leicht, wie ich gehofft hatte und definitiv kein Selbstläufer. Tatsächlich verselbständigen sich meine Gedanken erstaunlich oft. Wurde mir allerdings auch erst so richtig bewusst, als ich mal darauf geachtet habe, was mir eigentlich den lieben langen Tag so durch den Kopf rauscht. Es ist also nicht leicht, allerdings auch nicht so schwer, wie ich befürchtet hatte. Es ist letztendlich nur eine Frage der Aufmerksamkeit und der Disziplin: WILL ich diesem Gedanken jetzt nachhängen oder will ich es nicht? Und wenn ich es will, hinterfrage ich wenigstens mein Warum, was meist wie eine Rosskur wirkt und mich auf bessere Gedanken bringt.

Poetischer ausgedrückt: Welchen Wolf will ich füttern? Den, der Angst, Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst braucht? Oder den, der Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit schätzt? [2] Meine Entscheidung.

Abängig davon, welchen Wolf ich füttern möchte, muss natürlich auch anderes Gesprächsfutter her, weil sonst bedröppeltes Schweigen angesagt ist. Musste mir allerdings eh neue Gesprächsthemen suchen, seitdem ich einen zweiten Mail-Anbieter habe und nur noch alle paar Tage bei der Thrash-Schleuder namens web.de vorbeischaue. Bei diversen Klatschthemen, die Royals, Z-Promis oder Thrash-TV betreffend etc., bin ich jetzt meist raus. Und das ist gut – vor allem für meine Nerven.

Faszinierend finde ich, wie viel Zeit plötzlich für andere Dinge frei wird. Erstaunlich, wie fokussiert und produktiv ich an meinem Zeug arbeiten kann, wenn ich mich eben nicht mehr über ein Stirnrunzeln hinaus mit Menschen/Situationen beschäftigen, die mich zum Stirnrunzeln bringen. Und an den Tagen, an denen ich doch einen Lästerknochen finde, weiß ich, dass ich einfach besonders nett zu mir sein muss. Ich mache mir einen Kakao, hole mir die Kuscheldecke raus und werfe mir abends einen schönen Film ein. Denn die Tage, an denen ich in Lästerlaune bin, sind die, an denen ich richtig mies drauf bin und niemanden mag. Nicht mal mich.

Ich wünschte, ich hätte schon sehr viel früher damit angefangen, meinen kleinen Gedanken-Terrier fester an die Leine zu nehmen – und zwar in jeder Beziehung. Andererseits: Besser spät als nie – wusste schon Mr. Hobbs und der Kleine Lord ist sicher nicht das schlechteste Lehrmaterial, wenn es darum geht, den kleinen Terrier zu erziehen oder den guten Wolf zu füttern. ;)

Zitat Buddha Groll Ärger

Leseempfehlung

Von Schadenfreude oder Lästerfutter abzulassen, hat manchmal auch was mit Vergebung zu tun. Irgendwer ist mir irgendwann mal absichtlich oder unabsichtlich  auf den Schlips getreten, also verbeiße ich mich in alles, was mit diesem Menschen zu tun hat. Für Instahelp durfte ich ein Interview mit Mag. Magdalena Harzl (Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin) über das Verzeihen führen. Wie sieht es aus, dieses Verzeihen? Können und müssen wir wirklich alles verzeihen, weil wir sonst verbittert und unglücklich werden? Lest gerne rein, wenn ihr mögt. Instahelp.at: Verzeihen: Theorie und Praxis

Infos & Quellen

[1] Psychologie Heute 4/2015: „Dir geht es schlecht – wie schön für mich“ von Klaus Wilhelm
[2] palverlag.de: Weisheit eines Indianers – Die 2 Wölfe