Werbung ohne Auftrag. Denn: Dieser Post enthält Namens/Produktnennungen sowie youtube-Links und einen Werbelink von amazon. Ich wurde von niemandem zu irgendetwas hiervon beauftragt.

Eine Rezension – aber irgendwie auch wieder nicht. Genau genommen ist das eine Mischung aus Lobhuddelei und persönlichem Erfahrungsbericht. Lesenswert besonders dann, wenn ihr auch zu denen gehört, die gerne mal Tomaten anpflanzen, obwohl sie eigentlich Erdbeeren ernten wollen. Nicht lesenswert, wenn ihr Objektivität erwartet oder beim Wörtchen „Yoga“ sofort dichtmacht.

Im Post „Abgelenkt“ hatte ich Yoga for Real Life bereits erwähnte und es als meine Mindstyle-Bibel bezeichnet, weil es mir gewissermaßen dabei hilft, Magic Cleaning von innen her zu betreiben. Denn was hilft mir eine mit Perlen bestickte Stuhlhusse aus edelstem Stoff, wenn der Stuhl darunter modrig und morsch ist? Richtig. Nicht viel. Irgendwann bricht alles zusammen und das ist umso tragischer, weil von außen betrachtet doch alles tipptopp zu sein schien. Maya Fiennes hilft mir also dabei, mein Innenleben zu restaurieren und ich lasse euch mal ein wenig daran teilhaben. 

Yoga for Real Life – das Buch

Das Buch gliedert sich in die folgenden 7 Kapitel: 

• Sei ganz hier: jetzt!
• Entgiften & Entstressen
• Ja! Ich schaff das!
• Liebe & Beziehungen
• Jungendlichkeit bewahren
• Kinder
• Freunde finden

Die Namensgebung der Kapitel zeigt schon, dass das ein Buch aus dem Leben fürs Leben ist. Es richtet sich nicht an Teenies (siehe Kapitel „Jugendlichkeit“ oder „Kinder“) und auch nicht an die, die glühwürmchengleich erleuchtet sind, nach anderthalb Tassen Yogitee high werden und stundenlanges Verknoten im Lotussitz als die höchste Form des Glücks empfinden oder diesen Weg anstreben. Yoga for Real Life empfinde ich sogar als angenehm „unesoterisch“, obwohl jedes Kapitel einem Energiezentrum gewidmet ist. Maya Fiennes richtet sich an „ganz normale, im Leben stehende Menschen“, die ihren Alltag etwas bewusster angehen wollen, ohne nun gleich das ganze Leben umzukrempeln – also an Menschen wie mich. ;)

Gliederung der einzelnen Kapitel

I. Yogaübungen: Natürlich gibt es das nötige theoretische Wissen und eine Reihe ansprechend bebilderter Yogaübungen, die – so wie die 5 Tibeter – als komplette Übungsreihe absolviert werden können und die aufs jeweilige Kraftzentrum abgestimmt sind. Parallel dazu zeigt Maya allerdings auch verschiedene Notfallübungen und Atemtechniken, die separat angewandt werden können, wenn das Nervenkostüm eher einem zerschlissenen Kartoffelsack gleicht und die Gemütslage einem Dampfkochtopf ähnelt. Dieses Yogabuch bietet jedoch weitaus mehr als die Aneinanderreihung verschiedener Übungsfolgen und ich würde sogar davon abraten, es nur wegen der Yogaübungen kaufen zu wollen. Da sind ihre DVDs wesentlich besser geeignet (ich mag allerdings nur die älteren) und zudem gibt es mittlerweile tolle – und kostenlose – youtube-Channels, z.B. HappyandFitYoga oder eben den von Amiena Zylla die mir persönlich mehr liegen.

II. Ernährung: Maya Fiennes erinnert ohne erhobenen Zeigefinger, dafür aber mit leckeren Smoothie-Rezepten, daran, dass unser Körper eher einem Tempel gleichen sollte. Keiner Müllkippe. Damit erfindet sie das Rad nicht neu und theoretisch weiß ich selbst-ver-ständ-lich, womit ich meinem Körper was Gutes tue. Leider vergesse ich das aber auch gerne mal und da ich in einigen Punkten recht einfach gestrickt bin, bringt mich ansprechend gestalteter Lesestoff schnell wieder auf Kurs. Bis zum nächsten Mal…

III. Gedanken: Bliebe, und hier kommen wir zum Mindstyle-Teil, noch die Sache mit den Gedanken. Ein Themenkomplex, dem im Buch ebenso viel Platz gewidmet wird wie den Yogaübungen und das ist wunderbar. Denn auf die Gedanken kommt es an und das sogar noch viel mehr als auf die perfekt ausgeführte Yogaübung – extrem komplizierte mit hoher Verletzungsgefahr selbstverständlich ausgenommen, aber die kommen weder im Buch noch in meinem Leben vor. Bemerkenswert u.a. die folgenden Worte:

„Du wirst, was du denkst.“ (Mahatma Gandhi)

Oder um es mit Buddha zu sagen: „Du wirst morgen sein, was du heute denkst.“ Woraus folgt: Emsig ins Studio rennen, um sich endlich im schicken Yoga-Outfit bewundern zu lassen, hinterher mit einer Mischung aus Arroganz und Verachtung über die unerleuchtete Rest-Menschheit lächeln und zu Hause angekommen erstmal Partner und Kinder zusammenfalten, weil weder der Müll rausgebracht noch das Zimmer aufgeräumt wurde – das ist kein Yoga. War klar, oder? Das wäre nämlich zu einfach.  So wie die Pille, die uns instant schlank, schön und klug macht, während wir weiterhin Schokolade futternd auf der Couch hocken und Binge-Watching betreiben.

Pflanze keine Tomaten, wenn du Erdbeeren ernten willst

Ich vergleiche das Gewusel in meinem Kopf ja gerne mit einem kleinen Gärtchen, das sorgfältig gehegt und gepflegt werden will. Logischerweise käme ich nie darauf, Tomaten anzupflanzen, wenn ich Erdbeeren ernten will – aber fragt nicht, wie das bei der Wahl meiner Gedanken aussieht. Wenn ich ganz großes Glück habe, hängt sogar mal eine kleine Erdbeere am Tomatenstrauch, aber das ist eher die Ausnahme. Ich weiß nicht, ob Achtsamkeit und Bewusstheit je zum Selbstläufer werden, ich auf jeden Fall brauche diesbezüglich immer mal wieder einen Tritt in den Allerwertesten und genau hier kommt Maya ins Spiel. Obwohl das, was sie lehrt, hm… nicht wirklich zeitgemäß ist. Es geht nicht um höher, schneller, weiter oder darum, die perfekte Rolle zu spielen. Es geht um Selbstannahme und vor allem darum, sich in seiner Haut wohlzufühlen– fernab von Perfektions- und Selbstoptimierungszwang und unabhängig davon, ob die Frisur gerade sitzt oder die Waage zusammenbricht. Im Zusammenspiel mit anderen kommen Mitgefühl, Toleranz und ähnlich „uncoole“ Werte zum Tragen.

All das ist nichts für Feiglinge und es ist schmerzhaft. Denn: Ich muss mich hinterfragen und an mir arbeiten. Auch und gerade dann, wenn ich erkenne, dass ich nicht dort bin, wo ich sein möchte. Ich muss mich fragen, wo mein Anteil an der jeweiligen Situation liegt und überlegen, ob ich mich selbst bestimmte Dinge vielleicht zu wichtig nehme und sie mich von dem abhalten, was wirklich zählt. Und ich muss riskieren, mich so zu zeigen, wie ich bin. Was ehrlich gesagt die größte Herausforderung ist, obwohl ich mich ohnehin nie besonders gut verstellen kann. Dennoch … ich male ja gelegentlich den Teufel an die Wand, aber was ist, wenn du die Authentizität in Person bist – und keiner kann dich leiden, weil du einfach eine egozentrische und fiese Bratze bist? Oder einer von diesen erleuchteten Möchtegern-Missionaren, die der Meinung sind, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben? Na gut, bleibt wohl nur, es auf den Versuch ankommen zu lassen und endlich Erdbeeren zu pflanzen.

Nimmst du noch wahr oder bewertest du schon?

Weiteres zentrales Thema: Achtsam und bewusst im gegenwärtigen Moment zu sein. Wisst ihr, wie schwer das ist? Einfach nur bewusst wahrzunehmen, ohne gleich zu be- oder zu verurteilen oder eine Story drumrum zu stricken? Ein Beispiel, selbstverständlich rein hypothetisch und total überzogen, das ich mir aus den Fingern gesogen habe, weil ich viel zu cool bin, um auch nur eine Sekunde an meiner Großartigkeit zu zweifeln:

• Ich registriere: Ich sitze mit meinem Partner im Café, er hält die Arme verschränkt. *Punkt*

• Ich braue mein eigenes Süppchen: Ich sitze mit meinem Partner im Café, er hält die Arme verschränkt. *ratterratterratter* Oha… warum tut er das? Er macht innerlich dicht. Er langweilt sich mit mir! Er wäre bestimmt lieber mit einer anderen Frau hier. Wahrscheinlich mit der da drüben, die ist auch viel hübscher als ich. Wahrscheinlich auch witziger und erfolgreicher was kein Kunststück ist. Oh Mist… er wird mich verlassen, weil ich hässlich und langweilig bin… *ratterratterratter* Ähm ja… so eben nicht.

Ich versichere euch, dass der Nachmittag wesentlich angenehmer verlaufen wird, wenn ihr die verschränkten Arme als das nehmt, was sie sind: Eine Körperhaltung und eine Momentaufnahme und zur Not kann frau ja auch einfach mal nachhaken. Freundlich, mit aufrichtigem Interesse. Und nicht mit einem: „Was’n mit dir los? Warum bist’n so maulfaul? Bist du mies gelaunt, oder was? Sag doch gleich, dass ich dich nerve.“ Ich habe das übrigens in verschiedenen Varianten durchgespielt, um sicherzugehen, dass ich euch da keinen Murks erzähle.

Fazit

Gebe zu, dass das alles furchtbar unglamourös klingt. Genau genommen sogar ein bisschen langweilig. Ist es aber nicht. Und das liegt an den wohltuend persönlichen Worten, die Maya Fiennes wählt und die mir das Gefühl geben, einer guten Freundin zuzuhören. Außerdem sind die Kapitel sehr liebevoll und abwechslungsreich gestaltet und neben wunderbaren Denkanstößen gibt es handfeste Tipps und inspirierende Bilder, so dass ich gar nicht auf die Idee kommen würde, dass hier jemand mit missionarischem Eifer die Besserwisserkeule schwingt – was mein persönliches No-Go ist. Maya Fiennes erfindet das Rad nicht neu – wie sollte sie auch? Aber sie präsentiert ein rundum gelungenes, absolut alltagstaugliches Gesamtpaket, aus dem sich jeder die passenden Häppchen oder einen schönen Smoothie rauspicken kann. Um Neues zu lernen oder um Altes aufzufrischen. Absolute Leseempfehlung von mir – aber ich bin, das erwähnte ich bereits, auch nicht objektiv.

Für Fans von Maya Fiennes ist das Buch ohnehin ein Muss, weil unaufdringlich zahlreiche Anekdoten in den Text einfließen. Was in diesem Fall eine absolute Bereicherung ist und nicht – wie so oft – der Selbstdarstellung dient. Wunderschön und sehr sympathisch auch die Fotos, die gelegentlich fast den Anschein eines privaten Fotoalbums erwecken – natürlich auf hohem Niveau und absolut Instagram-tauglich. ;)

Neugierig aufs Buch geworden? Erhältlich ist es wie üblich im Buchladen eures Vertrauens oder bei amazon: Yoga for Real Life von Maya Fiennes (EchnAton Verlag).

Maya Fiennes Yoga for Real Life