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Was ist ein Wunder? Mal überlegen… vielleicht ein Lottogewinn, obwohl ich noch nie Lotto gespielt habe. Und natürlich Ufos, Kornkreise, weinende Marienstatuen oder eine Wunderheilung – es sei denn, Die Drei ??? liefern passendenden Erklärungen. Wenn die Messlatte für Wunder allerdings derart hoch liegt und sie laut Duden ein „außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen“ sind, werde ich in meinem Alltag wohl kaum welche erleben können und das gefällt mir nicht – mal abgesehen von den Ufos, auf deren Ankunft ich nun tatsächlich keinen gesteigerten Wert lege.

Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot.
-Alfred Einstein-

Ich wundere mich gerne mal – natürlich am liebsten im positiven Sinne. Und ich mag es sehr, wenn ich mich zur Abwechslung nicht schon wieder über mich selbst wundern muss, weil ich mal wieder ein bisschen verhaltensoriginell bin. Ich lasse mich gerne von kleinen und größeren Alltagswundern verzaubern und käme nicht nicht im Traum auf die Idee, mir ein „Making-of“ von Harry Potter anzuschauen. Warum um Himmels willen sollte ich dieser Entzauberung denn freiwillig beiwohnen? Dass der nicht wirklich auf seinem Besen durch die Gegend fliegt, habe ich mir auch schon überlegt. Und ich möchte auch lieber nicht wissen, was die nach den Dreharbeiten mit Drachen, Einhörnern und Flubberwürmern angestellt haben – das könnte magische Tierschutzorganisationen auf den Plan rufen.

Krawumm und Feuerwerk…

Aber Flachs beiseite. Ich sorge mich ehrlich gesagt ein bisschen um die kleinen Alltagswunder, denn die werden mittlerweile von allen Seiten mit Krawumm und Feuerwerk beschossen, auf dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Geschweige denn, dass sie uns noch staunen lassen. Und es ist doch so: Erst vergeht uns das Staunen, dann nehmen wir alles als selbstverständlich hin und irgendwann … pfft… ist alles öde. Ein alter ZauberHut… wo ist da der Kick? Geködert durch Superlative, Pseudo-News und Pseudo-Sensatiönchen, vom schönen (Online)Schein in die Irre geführt und dank ständiger Verfügbarkeit von allem übersättigt, sind wir andauernd auf der Suche nach Krawumm, Feuerwerk und dem nächsten großen Ding oder dem nächsten Seelenverwandten. Doch anstatt uns wenigstens mit allen Sinnen auf das gegenwärtige große Ding einzulassen und uns wirklich von ihm berühren zu lassen, sind wir insgeheim schon wieder auf dem Sprung. Her mit dem nächsten Brausepulvertütchen, das uns für fünf Minuten flasht.

Wie ein Kind im Spielzeugparadies. Alles angrabbeln, ausprobieren und nach drei Minuten in die Ecke pfeffern, weil’s langweilig wird. Keine Zeit, um irgendwas nachklingen zu lassen. Und irgendwann stellen wir überrascht fest, dass uns überhaupt nichts mehr so richtig berührt. Dass wir uns gehetzt und leer fühlen und alles irgendwie sinnlos ist. Warum wohl? Krawumm und Feuerwerk haben ja zweifelsohne ihren Reiz, aber irgendwann sind wir dann eben auch völlig überreizt. Kein Wunder, dass Online-Detox mittlerweile so hoch im Kurs steht, wie das Smartphone als kleiner Sklaventreiber im freien Fall ist. So ein Smartphone kann einen aber auch unglaublich terrorisieren… mein LG hüpft mir auch jeden Morgen in die Hand, grinst diabolisch, hält mir ein Messer an die Kehle und knurrt: Schalt!Mich!Ein!

Es war einmal…

Kinder sind da ganz wunderbare Lehrmeister – ehe wir sie mit Krawumm und Feuerwerk verkorkst haben. Als ich kleiner jünger war, bin ich gerne von der Couch über die Heizung auf den Kleiderschrank gekraxelt, weil ich da oben quasi unsichtbar war und meine Ruhe hatte. Ausgerüstet mit einem Buch, meiner Kuscheldecke und dem nötigen Proviant habe ich dort oben auf meinem Schrank gesessen und mich weggeträumt, gelesen oder einfach nur aus dem Fenster geschaut – also genau das gemacht,was die Flow seit der ersten Ausgabe anregen möchte … natürlich ohne die Klettertour auf den Schrank. Mehr hat es nicht gebraucht für einprägsame Momente, solange genug Proviant mit an Bord war. Allerdings bin ich als eher introvertierter Mensch da auch recht genügsam. Seither besitze ich übrigens eine Vorliebe dafür, die Dinge aus der Adlerperspektive zu betrachten. Ein Hochsitz im Wald? Meiner. Ein Klettergerüst? Wunderbar. Ein Zipfelchen Steilküste, eine Aussichtsplattform oder die Mauer einer Burg(Ruine) mit einem Wahnsinnsblick nach sehr weit unten? Ich bin ganz vorne mit dabei und blende alles aus, was mir diesen Moment zerstören könnte. Auch Warnhinweise.

Es lebe das kindliche Gemüt

Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar für mein kindliches Gemüt. Dafür, dass ich mir die Fähigkeit bewahrt habe, Momente bewusst erleben und – wortwörtlich – über Kleinvieh staunen zu können. Schmetterlinge und Marienkäfer auf dem Balkon werden stets gebührend bewundert und die Fledermäuse, Kröten,  Reiher, Wildschweine und Füchse, die während der Walkingrunde meinen Weg kreuzen, so ausgiebig bestaunt, als wäre ich eine Dreijährige. Von durch die Gegend flitzenden Eichhörnchen möchte ich gar nicht erst reden, für die würde ich sogar Jack Sparrow links liegen lassen. Schrieb ich schon, dass ich mich eigentlich am meisten über mich selbst wundere? Ah ja, weiter oben… gut. Nebenbei bemerkt muss ich nicht mal die Wohnung verlassen, um wie ein Kind staunen zu können. Manchmal bin ich tatsächlich bereits morgens geflasht, weil ich nicht erst eine Stunde zum nächsten Trinkwasserbrunnen laufen muss. Einfach nur den Wasserhahn aufdrehen und schon ist frisches Trinkwasser da, direkt aus dem Hahn. Der Hammer, oder? Und noch besser: Das Zeug lässt sich direkt in Kaffee verwandeln! Besser kann der Tag kaum anfangen.

Nichts ist selbstverständlich…

Okay, ich hoffe, die mit dem Vorschlaghammer gereichte subtil durchscheinende Botschaft ist deutlich geworden? Aber sicherheitshalber noch mal zum Mitschreiben: Ich genieße es sehr, dass es mir recht oft möglich ist, den Moment zu genießen und das eigentlich Selbstverständliche eben nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Weil es das nicht ist. Ein winziges Steinchen im Getriebe und schon ist das, was wir als selbstverständlich betrachten, nur noch eine Erinnerung.

Ein Tag ist voller kleiner und größerer Wunder, auch wenn sie nicht unter das fallen, was der Duden als Wunder definiert. Man muss diese kleinen Alltagswunder nur sehen können und sehen wollen. Und vor allem: Sie nicht als Selbstverständlichkeit abtun, denn das sind sie nicht. 

In diesem Sinne: Habt einen wundervollen Tag. ;)