Unentgeltliche Werbung ohne Auftrag. Denn: Dieser Post enthält Namens/Produktnennungen sowie verschiedene Verlinkung zu Oninemagazinen sowie youtube u. Instagram. Ich wurde von niemandem zu irgendetwas hiervon beauftragt.

Erinnert sich noch jemand von euch an das Leben ohne Internet? Videothek statt Streaming-Dienst und Bücherei statt google? Damals befeuerten lediglich Zeitschriften mein „Haben will“-Zentrum. Hin und wieder fiel mir auch eine besonders interessante Verpackung auf und so landete – Verpackungsopfer, das ich nun mal bin – irgendwas in meinem Einkaufskorb, von dem ich vor einer Minute noch nicht einmal wusste, dass es das gibt. Geschweige denn, dass ich es haben will. Von brauchen möchte ich gar nicht reden. Und dann kam… tadaaaa…

[*hier bitte dramatische Filmmusik einblenden, idealerweise „Spiel mir das Lied vom Tod“*]

Das Netz…

Das Netz… oh ja… das Netz. Es hat alles und es bekommt uns alle, Widerstand zwecklos. Es ist klebrig, gefährlich und es saugt uns das Hirn raus, da kannste nix machen. Nichtsdestotrotz kann ich mir ein Leben ohne das Internet ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen – alleine die Möglichkeit, online mal fix in verschiedene Bücher reinlesen zu können, die der Buchladen nebenan erst ordern müsste und das macht er nicht, damit ich mal reinlesen kann ist großartig. Aber ein Leben mit dem Internet hat eben auch seine Tücken, denn mittlerweile kommt es mir ein bisschen so wie eine Mischung aus „Die Truman Show“ und „Die Joneses – Verraten und verkauft“ vor.

Verraten und verkauft?

Die Truman Show“ kennt ihr? Truman Burbank (Jim Carrey), der ohne es zu ahnen in einer 24-Stunden-Liveshow lebt, die hauptsächlich durch Product-Placement finanziert wird? Und dann gibt es noch die sehr sehenswerten „Die Joneses“ mit Demi Moore und David Duchovny. Die Joneses scheinen eine ganz normale Familie zu sein. Allerdings sind sie ein bisschen attraktiver als der Durchschnitt und ihr Lifestyle ist ebenfalls alles andere als durchschnittlich. Kein Wunder, dass die Nachbarn schnell angefixt sind und ein bisschen vom Glanz ihrer Supernachbarn abhaben wollen. Tatsächlich handelt es sich bei den vier Joneses aber gar nicht um eine richtige Familie, sondern um Mitarbeiter eines Marketingunternehmens und ihre Aufgabe ist es, die personifizierten Werbeschleudern zu mimen (neudeutsch: Influencer).

Empfehlungen von guten Freunden…

Funktioniert nur im Film? Nein. Martin Lindstrom [„Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen“] hat die Joneses in Gestalt der Familie Morgenson – bei der es sich allerdings um eine echte Familie handelte – für ein Experiment ins Real Life entlassen. Und die Nachbarn kauften und kauften und kauften – nämlich all das, was ihnen die sehr sympathischen Morgensons direkt empfahlen oder indirekt durch ihren Lifestyle vorlebten. Das Experiment lief über einen Zeitraum von vier Wochen. Erfolgreich, so Lindstrom. Denn die Morgensons waren fähig, via Mundpropaganda 2100 Menschen zu erreichen. Und neun dieser zehn Personnen kauften das, was ihnen die Morgensons empfahlen.

Noch faszinierender finde ich allerdings die Reaktion derjenigen, die hinterher darüber aufgeklärt wurden, dass sie Teil eines Experiments waren, in dem ihnen von ihren Freunden, den netten Morgensons, ein Produkt nach dem nächsten aufgeschwatzt worden war:  Sie reagierten durchweg positiv und fühlten sich nicht hintergangen. Stattdessen waren sie überzeugt davon, dass die Morgensons nur das Beste für ihre Freunde im Sinn gehabt hätten. Herr, wirf Hirn vom Himmel! Und ich hielt mich schon für vertrauensselig! Wie schön, wenn man echt gute Freunde hat.

Glaubwürdig ist das, was du für glaubwürdig hältst

Dazu passt das Ergebnis der Influry-Studie „Bedeutung von Influencer Marketing in Deutschland“ : 1.604 Internetnutzer (ab 14 J.) wurden u.a. zu ihrem Kaufverhalten über Social-Media-Kanäle befragt. [2] Ergebnis: Influencer sind für sie eine glaubwürdige Informationsquelle, die noch vor Zeitungen und Zeitschriften rangiert. Nur Empfehlungen von Freunden [Gruß von den Morgensons] oder Kundenbewertungen, etwa bei amazon oder zalando, wird noch mehr Glauben geschenkt okay, und jetzt möchte ich wirklich weinen. [Kleine Anmerkung am Rande: Die Influry-Studie wurde von einer Influencer-Marketing u. Software-Plattform in Auftrag gegeben.]

Mammuts, Schuhe und Kreditkarten…

Gut möglich, dass unser Einkaufsverhalten immer mal wieder ein merkwürdiges Eigenleben entwickeln wird. Denn selbst wenn unser Kühlschrank bald eigenständig die Lebensmittel ordern, das Zeug einräumen und hinterher die Küche putzen sollte – am triebgesteuerten Höhlenmenschen, der Mammuts jagte, Beeren sammelte und aufs Zusammenraffen von Zeug gepolt war, sind wir trotzdem immer noch verdammt nah dran. Sage zum Glück nicht ich was gäbe das für einen Shitstorm , sondern Menschen, die sich u.a. mit der Evolutionsbiologie beschäftigen. Doch während unsere Vorfahren wesentlich überlebensorientierter agierten, jagen wir eben Bücher, Schuhe oder Unterhaltungselektronik.

Die Testosteronfalle: Der männliche Konsument etwa zeigt sich vor allem dann spendabel, wenn die Frauen rar sind – so das Ergebnis einer Studie der University of Minnesota. Damit nicht genug: Je höher der Testosteronspiegel des Mannes ist, desto leichter kann ihm eine leichtbekleidete Werbeschönheit überteuerten Mist unterjubeln.[3]

Die Eisprungfalle: Für eher praktisch und sportlich veranlagte Frauen hingegen kann das Shoppen während der fruchtbaren Tage für Überraschungen sorgen – hinterher. Weil sie nämlich plötzlich Kleidchen und Heels erbeutet hat, die sie an anderen Tagen getrost ignoriert hätte. Und das gilt umso mehr, wenn sie beim Shoppen auf attraktive Frauen, also potenzielle „Konkurrentinnen“, trifft.[4]

Die Tricks der Verkäufer: Damit wir nicht zu schnell durch die Läden hetzen, werden wir ausgebremst. Etwa mit extrem spiegelnden Bodenflächen. Die sind nämlich mitnichten nur ein Zeichen für hervorragend arbeitendes Reinigungspersonal oder exklusives Design. Viel eher registriert der geblendete Konsument: Ups, spiegelnder Boden, ist bestimmt glatt hier – besser mal ein bisschen langsamer laufen. Und schon ziehen die Schnäppchen nicht mehr im Eiltempo vorbei. Und dass wir mit Duftstoffen in Kauflaune versetzt werden sollen, ist auch nichts Neues. [5]

Die Tricks der Unternehmen und der Werbebranche: Da niemandem daran gelegen ist, dass wir uns gut, selbstsicher und glücklich fühlen, spielt man mit unseren Ängsten, eben nicht gut/schön/beliebt genug zu sein… und serviert uns „netterweise“ die passenden Produkte, um Abhilfe zu schaffen. Auch wir können beliebt, attraktiv und begehrt werden – mit dem richtigen Duschgel. „Die Werbebranche jongliert zudem geschickt mit Urängsten wie der Furcht vor gefährlichen Keimen oder vor einem Überfall, einem Unfall. Sie weckt Schuldgefühle, malt unterschwellig Schreckensvisionen.“[6]

Einbildung ist auch eine Bildung…

Ich selbst hielt mich ja lange Zeit für relativ manipulationsresistent Einbildung ist auch eine Bildung. Nun ja. Mittlerweile wundert es mich nicht mehr, dass es mich hin und wieder erwischt. Kaum geistern auf Instagram irgendwelche Organizer oder Journale durch die Gegend, möchte ich mir auch sofort so ein Teil zulegen – obwohl die Organizer, die ich bisher unbedingt kaufen musste, noch beinahe unbenutzt in der Ecke liegen.

Der aktuelle Schnapper, der nicht wirklich gut gewählt war: Ein Buch, das vor allem auf Instagram Dauergast ist und das ich definitiv nicht gekauft hätte, hätte es mich nicht mehrmals am Tag angelächelt: „Becoming“ von Michelle Obama. Nichts gegen Michelle Obama, das ist eine tolle Frau, die durchaus einiges zu erzählen hat. Die Biografie allerdings… nun ja… wir wurden keine Freunde. Sie hat mich einfach nicht gepackt und nachdem ich mich durchs erste Viertel gequält habe, habe ich einige Kapitel nur noch quergelesen… und dann kapituliert. Ich habe einfach zu viele angelesene Bücher hier, die mich mehr ansprechen – darunter auch einige Biografien, die in einen der nächsten Posts einfließen werden. Und die habe ich tatsächlich gelesen. Von der ersten bis zur letzten Seite – einige davon sogar mehrmals. Allerdings wurde keine davon auf Instagram gezeigt. Hm… na gut… dann mache ich das demnächst. Also zieht euch warm an, damit ich euch nicht brainfluence. ;)

Quellen, Infos und Leseklicks: 

[1]Martin Lindstrom: Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen (Campus Verlag)
[2] Horizont.net:
Influencer sind nach Freunden u. Kundenbewertungen glaubwürdigste Quelle
[3]Ärzteblatt.de:
Reklame – Was Macho-Männer blind macht
[4]zeit.de: Konsumverhalten: Die tägliche Verführung
[5] welt.de:
Duft-Psychologie: Wie uns die Insdustrie mit Gerüchen zum Kauf verführt
[6]Handelsblatt:
Wie wir beim Einkaufen betrogen werden
[7]Deutschlandfunk: Wie wir im Supermarkt manipuliert werden
[8]faz.net:
Top-Rezensenten: Man benutzt Amazon und wird benutzt
[9]youtube: T
om Beck und andere YouTube-Manager | NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann