Liebe? Gibt’s doch bei Parship oder Tinder, ja? Kommt drauf an. Keine Frage: Eine Beziehung, gerne auch mit richtig viel Zsa Zsa Zsu, ist toll. Nur gerät dabei gerne mal in Vergessenheit, dass wir bereits die wichtigste Beziehung führen – nämlich die mit uns selbst. Oder wie es Samantha in „Sex and the City“ formulierte: „Ich liebe dich, aber ich liebe mich mehr.“ Damals zuckte ich zusammen und dachte: Boah, wie egoistisch. Heute denke ich: gar nicht mal so blöde… Fakt ist: Das Leben macht einfach mehr Spaß, wenn man sich selbst liebt… ähem… oder wenigstens lieber ein bisschen mehr leiden mag als zu wenig. 

Und so finde ich es mittlerweile gar nicht mehr dreist, sondern ziemlich klug, sich selbst – wie Samantha – zur eigenen Nummer eins zu machen. Denn wenn ich mich selbst nicht für liebenswert halte, wird mir kein Mensch dieser Welt das Gegenteil beweisen können. Ebenso gut könnte man einem Pony erzählen, dass es ab sofort ein Vogel ist und es dazu ermuntern, doch mal eine Runde über die Weide zu segeln, weil die Aussicht von da oben noch sehr viel schöner ist…

Es lebe das Klischee…

Selbstliebe und Achtsamkeit – zwei Begriffe, die ich, wenn ich lesenderweise darüber gestolpert bin, ungefähr so angeschaut habe, wie man ein besonders widerliches Insekt anschaut. Weil: Hallo? Ernsthaft? Was ist denn das für ein Eso-Kram?! Bei Achtsamkeit denke ich automatisch an eine verschrumpelte Rosine, der ich drei Stunden meiner Zeit widmen soll, die ich wahrlich besser investieren kann. Und bei Selbstliebe an Frauengruppen, lilafarbene Wallegewänder und haarsträubende Coachingübungen, die ich nicht mal aufschreiben kann, weil ich sonst schreiend aus dem Zimmer renne, ehe mein Laptop explodiert.  Und überhaupt scheint Selbstliebe ja das Allheilmittel für alles und noch viel mehr zu sein… das machte sie mir lange Zeit extrem unsympathisch. Irgendwann setzt sich dann allerdings mal wieder Erkenntnis durch, dass die Gebiete, die den größten Widerwillen hervorrufen, genau die sind, die zugleich das größte Entwicklungsgebiet sind. Zumindest ist das bei mir oft der Fall. Und tatsächlich traf mich eines Tages der Blitz der Erkenntnis. Es war grandios… es britzelte und knisterte, die Haare standen mir zu Berge und Sterne tanzten um meine Augen… ich hatte verstanden… äh… na gut. Es lief ein wenig unspektakulärer ab.

Trostpflaster in hübschen Tüten…

Denn natürlich war mir durchaus bewusst, dass es hier und da…nun ja… ein wenig hakte.  Oder besser laufen könnte. Aber dass es eventuell auch an mangelnder Selbstliebe liegen könnte? Wie abwegig. Natürlich mag ich mich… äh… meistens zumindest mal nicht nicht relativ gern. Auch diese Selbstliebe-Nummer hatte ich doch voll drauf. Es gibt – in Frauenzeitschriften oder ähnlich gelagerten Online-Magazinen und Blogs etc. – schließlich ganz viele Tipps, wie ich mir selbst gehörig Liebe zuteilwerden lassen kann. Oder mir beweisen kann, dass ich mich selbst für wertvoll halte. Etwa:

  • ein Bad nehmen (am besten die Kerzenlicht-Rosenblatt-Nummer und das Buch nicht vergessen!),
  • einen Wellnesstag in einem luxuriösen Spa einlegen,
  • neue Unterwäsche (nee, keine Feinripp-Slips) kaufen,
  • oder gleich einen ganzen Shoppingmarathon absolvieren
  • und zum Schluss beim Lieblingsitaliener aufschlagen.

Kurz: Je mehr die Kreditkarte glüht, desto besser, so der Tenor dieses Teils der schreibenden Zunft. Was ja auch logisch ist, da spätestens eine Seite weiter ein paar hübsche Sachen verlinkt/abgebildet sind, die die (selbst)liebesbedürftige Leserin käuflich erwerben soll. Im Zweifelsfall Bücher, Schokolade oder Wellnessgedöns. Die Ideen sind ja nicht blöd. Es sagt durchaus eine Menge über mich aus, ob ich dazu in der Lage bin, mir selbst etwas gönnen zu können, weil ich es mir wert bin (Selbstliebe und Selbstwertgefühl sind ja so dicke wie die Weasley-Zwillinge).

Aber es ist nur ein Mosaiksteinchen im großen Gefüge. Und die Wertschätzung für mich selbst geht eben weitaus tiefer, als dass ich mir immer nur wieder ein paar schöne Dinge kaufe. Wer finanziell dazu in der Lage ist, sich regelmäßig „was zu gönnen“, wird sich sogar möglicherweise eines Tages verwundert die Augen reiben, weil es sich ein bisschen so anfühlt, als hätte man ständig nur Junkfood in sich reingeschüttet. Der akute Hunger ist zwar gestillt, aber wirklich befriedigend war das eher nicht. Merkwürdig? Nicht wirklich. Letztendlich sind es viel zu oft eben doch nur in hübsche Tüten verpackte Trostpflaster. 

Und so musste auch ich mir eingestehen, dass es nicht damit getan ist, immer mal wieder eine nette Kleinigkeit zu kaufen, Sport zu treiben oder eine Pizza vom Lieblingsitaliener zu holen. Es war gut – aber es war definitiv nicht genug. Problem erkannt, Problem gebannt? Wäre zu einfach. Ich wusste nun zwar, was nicht hilft, aber was hilft, wusste ich eben auch nicht. Zumal, verzeiht mir dir deutlichen Worte, im Internet Feld der Selbstliebe ja doch ziemlich viele Spinner und Möchtegern-Gurus ihr Unwesen treiben, die vor allem mal sich selbst und ihre Einnahmen lieben. Mühsam, da die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn man nicht Aschenputtels Tauben hat, die mal eben beim Aussortieren helfen. Zum Glück kam es, wie es meistens kommt, wenn ich mir eingestehe, dass ich irgendwo ein Problem ordentlich Entwicklungspotenzial habe: Meine Wahrnehmung ändert sich und die entsprechenden Puzzleteilchen „purzeln Stück für Stück in mein Bewusstsein.“

Die Nummer eins…

In diesem Fall war es  ein Youtube-Video, das mir mindestens anderthalb Augen öffnete, wenn nicht sogar beide. Und zwar der TEDx Talk von Tracy McMillan namens: The person you really need to marry. Plötzlich wurde mir bewusst: Samantha hat recht, wenn sie sich an die erste Stelle setzt. Auch und gerade in diesem Fall. Ich muss (ja: ich muss, das ist nicht verhandelbar) mir zuallererst mal selbst die Liebe geben, die ich mir von anderen wünsche. Und ich rede hier nicht von dem, was Samantha oder die Cosmopolitan wohl unter „Selbstliebe“ verschlagworten würden, und nein, das hat in diesem Fall auch nichts mit batteriebetriebenen Spielzeugen zu tun. Sorry. Fakt ist: Wenn ich mich selbst nicht liebe, oder wenigstens mag, dann gleiche ich dem berühmten Fass ohne Boden. Ich bin ständig auf der Suche, um eine innere Leere zu füllen, doch was auch immer ich bekomme… es ist nie genug und es wird auch nie genug sein.

Niemand, aber auch wirklich niemand kann mich dauerhaft von meiner schlechten Meinung über mich selbst abbringen und mir „einbläuen“, dass ich liebenswert bin. Weil es nur einen Menschen gibt, der das kann und das bin ich selbst. Alles andere, und sei es noch so lieb gemeint, prallt an mir ab, als würde es an einer unsichtbaren Mauer zerschellen – im schlimmsten Fall reagiere ich sogar ausgesprochen biestig darauf, weil ich der Meinung bin, es nicht zu verdienen. Und darüber hinaus kann ich mich in einem so wichtigen Punkt unmöglich von irgendetwas oder von irgendwem abhängig machen. Etwa von (m)einem Partner oder Social-Media-Likes, sonst werde ich nämlich verdammt schnell ziemlich unglücklich und abhängig von äußeren Umständen. Es gibt nicht umsonst Bücher wie „Ein Mann ist keine Rentenversicherung“. Ein Mann (oder was auch immer die Lücke füllen soll) ist allerdings auch keine Tankstelle für Selbstliebe. Logisch, oder? Wie sollte er? Es heißt ja: SELBST-Liebe. Und nicht: Das Zeug, das du dreimal täglich anderswo abzapfen kannst. Oder: Das Zeug, das du zur Glamour Shopping Week mit 20% Rabatt bei allen teilnehmenden Händlern bekommst. Leider.

Mangelnde Selbstliebe ist gewissermaßen wie ein Stein im Schuh, der einem jeden Schritt zur Qual macht. Und evtl. Ersatzbefriedigungen oder Liebesbekundungen von außen gleichen dem Blasenpflaster. Supergeniale Erfindung. Ich liebe Blasenpflaster! Aber wenn ich keinen Schritt ohne machen kann, wird’s dann auch nervig und ich zum Blasenpflaster-Suchti. Nur kann ich mir dann eben ein paar Paar neuer Schuhe kaufen… aber dummerweise kein neues Ich.

Gedanken sind nur Gedanken

Fatalerweise kann sich mangelnde Selbstliebe höchst geschickt tarnen. Es gibt die absonderlichsten Verhaltensweisen, die weit über negative Gedanken oder fiese Selbstgespräche hinausgehen, aber das würde hier zu weit führen und ist definitiv ein Fall für Profis. Was allerdings diese zerstörerischen und durch und durch unliebenswerten Gedanken angeht:

  • Wir sind nicht unsere Gedanken.
  • Gedanken sind erstmal nur Gedanken – und nicht die Realität.

Welche Storys wir uns also auch immer über uns erzählen – wir dürfen sie nicht nur hinterfragen, wir sollten es sogar unbedingt tun. Wir sollten jeden (selbst)zerstörerischen, schwächenden, hämischen, uns tyrannisierenden Gedanken auseinandernehmen, als ginge es um unsere Leben. Denn das tut es. Ich zitiere nochmal Martha Beck (Autorin u. Psychologin), die ich in diesem Post erwähnt hatte:

„Sind diese Geschichten einmal etabliert, dann wählen, modifizieren und verdrehen wir neue Erlebnisse, sodass sie zu unseren Erwartungen passen. Was wir für „die Wahrheit“ halten, ist tatsächlich eine ausgeklügelte und von unserem eigenen Verstand wohl durchdachte Fiktion. Sich klarzumachen, dass Ihre Geschichte geradezu willkürlich ist, dass es unzählige andere Sichtweisen gibt, die durch und durch genauso korrekt sein können, öffnet die Gefängnistür Ihres Glaubenssystems und erlaubt Ihnen, hinauszugehen, wenn Sie dies möchten.“

Seitdem ich mir bewusstmache, dass diese Gedanken völlig willkürlich sind und beileibe nicht der Wahrheit entsprechen müssen, bin ich ihnen nicht mehr wie ein hypnotisiertes Kaninchen ausgeliefert. Stattdessen „betrachte“ ich sie als das Duo Infernale aka: „Fräulein Rottenmeier trifft auf Professor Snape“. Die beiden suchen sich irgendwo im Hinterstübchen je ein kleines Zimmerchen und dann setzen sie sich nach Lust und Laune zusammen, um ihr Gift zu verspritzen und die enstprechenden Knöpfchen zu drücken. Und da die beiden eindeutig nicht an meinem Wohl interessiert sind, muss ich ihnen nicht länger zuhören als nötig. Tatsächlich hilft manchmal sogar ein gedankliches „Stopp!“ In härteren Fällen schieße ich dem Stopp folgende – von Byron Katie inspirierte – Frage hinterher:

  • Ist das wirklich wahr oder gibt es noch eine andere Sichtweise?

Und natürlich gibt es immer eine andere Sichtweise, selbst an einem rabenschwarzen Tag. Ich muss sie nur sehen wollen.

Aller Anfang ist schwer…

Es gehört Mut dazu, sich selbst einzugestehen, dass die Selbstliebe wohl doch zu den persönlichen Entwicklungsgebieten gehört. Die gute Nachricht für alle, die da auch ein wenig Nachholbedarf haben: Selbstliebe ist nichts, was uns gänzlich fremd ist. Ein kleines Kind käme nie auf die Idee, sich selbst nicht zu lieben. Oder wie es Sharon Salzberg in ihrem Buch „Wahre Liebe“ zitiert: „Wenn du dich nicht selbst liebst, dann ist das einfach nur seltsam.“ (Calissa Grace Parrott, 6 Jahre) Erst im Lauf der Zeit, etwa wenn das Kind mitbekommt, dass bestimmte Verhaltensweisen erwünscht sind und andere überhaupt nicht oder in allem die (unterschwellige) Botschaft: „Du bist nicht in Ordnung, wie du bist, du solltest anders sein“ mitschwingt, wirkt sich das auf die Selbstliebe aus. Sie verschwindet. Oder ist von äußerer Anerkennung abhängig und hat somit nichts mehr mit Selbstliebe zu tun. Wenn es ganz hart kommt, läuft das wie bei Jane Fonda, die sagte nämlich in einem Interview: Meine Sucht zu gefallen, hat fast mein ganzes Leben bestimmt.“  Selbstliebe zwingt uns nicht in diesen  Wenn-dann-Kreislauf. Sie legt es auch nicht darauf an, anderen gefallen zu wollen. Wir sind gut genug. Jetzt. In diesem Moment. So, wie wir sind. Was allerdings nichts mit dieser größenwahnsinnigen und selbstherrlichen „Was bin ich toll, niemand kann mir das Wasser reichen“-Attitüde zu tun hat. Wer sich seines Wertes bewusst ist, hat weder so ein Theater nötig noch stellt er sein Licht ständig peinlich berührt unter den Scheffel. Ich habe nicht nach der korrekten Selbstliebe-Definition gegoogelt. Aber für mich bedeutet es: Ich bin mir selbst eine gute Freundin – vielleicht sogar die beste. Und nicht mein schlimmster Feind.

Der Beginn einer lebenslangen Romanze…

Der oben erwähnten guten Nachricht folgt leider auch eine schlechte: Das Selbstliebe-Workout funktioniert nur, wenn es regelmäßig durchgeführt wird. Und es langt auch nicht, mehrmals täglich vor dem Spiegel „Ich liebe dich“ zu sagen oder dreimal am Tag zehn andere Affirmationen runterzubeten, wenngleich das wohl nicht schaden kann. Allerdings ist es auch kein Hexenwerk. Weder müssen wir uns für die Wiederbelebung der Selbstliebe auf eine Pilgerreise begeben noch bei Neumond magische Beschwörungsformeln murmeln. Viele Wege führen nach Rom, „das Netz“ ist voll mit guten, weniger guten und fragwürdigen Tipps. Und wofür auch immer ihr euch entscheidet: Schaltet vorher bitte euer Hirn ein und überlegt genau, wem ihr (euch) in einem so wichtigen Fall (an)vertrauen wollt!* (siehe P.S. unten) Ich selbst arbeite derzeit vor allem mit/an den folgenden Punkten:

Peace. Oder: Ich bin ich. Und das ist in Ordnung so. In Zeiten des Selbstoptimierungswahns scheint Selbstakzeptanz nicht gerade hoch im Kurs zu stehen. Doch führt absurderweise ausgerechnet daran kein Weg vorbei. Denn: Wie soll ich mich selbst lieben, wenn ich mich noch nicht mal akzeptiere? Oder wenn ich mich vielleicht akzeptieren würde… aber nur, wenn ich 10 Kilo leichter bin oder mein IQ um 10 Punkte höher liegt oder ich überhaupt erfolgreicher, schlagfertiger, witziger wäre? Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als gegen den „Werde besser und optimiere dich“-Strom zu schwimmen und Medien, Werbung, Schönheitsindustrie oder Coaches zu ignorieren, die mir predigen, dass ich doch bitte die bessere Version meiner Selbst werden sollte. Anstatt lebenslang einem unerreichbaren Ideal hinterherzurennen, meinen Stärken gegenüber blind zu sein und vermeintliche Mängel überkritisch zu beäugen, könnte ich also fange ich also an, Frieden mit mir selbst zu schließen. Meistens. Und wenn ich, an einem eher schlechten Tag, einfach nur den genialen Buchtitel „Ich bleib so scheiße, wie ich bin“ rezitiere.

Ich sorge für mich. Wenn ich etwas nicht liebe leiden mag, kümmere ich mich normalerweise auch nicht so richtig darum. Oder vernachlässige es gar. Ihr kennt wahrscheinlich diese „Schmuddelecken“, in denen ursprünglich „mal kurz“ ein paar Kartons/Schuhe/ausrangierte Bücher oder das Bügelbrett etc. gelagert werden und die dann ein Eigenleben entwickeln. Logischerweise funktioniert das auch andersrum. Kleines Beispiel: Die Pflänzchen auf meiner Fensterbank bekommen Sonne, Wasser, Pflanzendünger und manchmal sogar Ausgang, weil ich mir denke, dass sie sich an einem schönen Frühlings- oder Sommertag bestimmt gerne ein wenig frischen Wind ums Näschen Blättchen wehen lassen wollen. Also stelle ich sie auf den Balkon. Ich käme nicht im Traum auf die Idee, die Pflanzen irgendwo in die hinterste Zimmerecke zu stellen oder in den dunklen Flur. Und ihnen, wenn sie anfangen, ob des Lichtmangels entsprechend rumzumicken, tolle Zitate aus den sozialen Netzwerken vorzulesen. Etwa: „Glaube an dich und du kannst es schaffen.“ Oder: „Es gibt immer Licht am Ende des Tunnels. Bete, dass es kein Zug ist.“ Ich brülle meine Pflanzen auch nicht an oder knalle ihnen mehrmals täglich vor den Latz, was für blöde Pflanzen sie doch sind – und ohnehin sind die Pflanzen auf Instagram in Nachbars Garten ja viel schöner. Da ist es doch eine ganz hervorragende Idee, auch in meinem Fall mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln für eine Umgebung sorgen, in der ich aufblühen kann. Denn mal ehrlich: Warum soll ich meine Grünlilie besser behandeln als mich?

Mitgefühl für alle. Auch für mich selbst. Hin und wieder kann ich es mit Charlotte aus Sex and the City aufnehmen. Leider nicht hinsichtlich ihrer fluffigen Muffins, aber auch ich bin immer mal wieder „das kleine Wasserwerk“. Ich leide mit. Mit Tieren und mit Menschen. Im Leben oder im Film. Nur nicht mit mir selbst. Da bin ich mein eigener Drill-Sergeant. Anstatt Verständnis dafür aufzubringen, dass ich mich selbst in eine bestimmte Lage gebracht habe – oder… OMG… manchmal vielleicht noch nicht mal was dafür kann, weil das Leben eben sein Ding macht und mich nicht um Erlaubnis bittet –  bin ich unnachgiebig und ohne jedes Selbstmitgefühl. Zur Not zücke ich eines der drei Totschlagargumente. [1. Anderen geht es sehr viel schlechter als dir, also halt die Klappe. 2. Du hast ein Dach über dem Kopf, frisches Trinkwasser und einen vollen Kühlschrank – hör auf zu jammern. 3. Die Suppe hast du dir selbst eingebrockt, also wirst du sie auch alleine auslöffeln.]  Es ist unglaublich befreiend, dem „kleinen Ich“, das sich Tag für Tag – ohne jegliche Unterstützung, nur mit einem Drill-Sergeant im Nacken – abgemüht hat, endlich mal zu signalisieren: Danke, dass du bis hierhin mit mir durch dick und dünn gegangen bist. Das hast du toll gemacht und ich bin überzeugt davon, dass du alles in deiner Macht Stehende getan hast, weil du immer nur mein Bestes im Sinn hast… auch wenn du das manchmal erstaunlich verhaltensoriginell zum Ausdruck bringst…daran sollten wir mal gemeinsam arbeiten.

Logisch, dass ich nach Jahren, in denen ich bei „Liebe“ eher an Hollywood-Romanzen, denn an mich selbst gedacht habe, kleine Schritte machen muss. Also schaue ich, dass ich mir selbst zuerst mal eine gute Freundin bin. So eine Mischung aus Tracy McMillan, Martha Beck und Barbara Sher. Das sind drei Frauen, die ich umwerfend finde – alleine schon wegen ihres Humors. Sie legen den Finger auf die Wunde, ohne dabei zu entmutigen. Quasi eine Mischung aus bester Freundin, liebevoller Mutter/Großmutter und Mentorin. Und genau so möchte ich auch mit mir selbst reden. Ähem… natürlich nur im Geiste… aber ehrlich gesagt murmele ich auch manchmal vor mich hin, weil ich interessante Gesprächspartner, die voll auf meiner Wellenlänge liegen und mir nicht dauernd widersprechen, sehr schätze.

Oscar Wilde sagte einst: „Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ Und wie es Romanzen so an sich haben, möchte auch diese gehegt und gepflegt werden. Guten Tagen folgen schlechte und manchmal fühle ich mich, als stünde ich wieder ganz am Anfang. Das sind diese Tage, an denen ich mir eingestehe, dass heute ein schlechter Tag ist – und dann hisse ich die weiße Flagge. Bedeutet: Ich knalle jedem, der was von mir will, die Tür vor der Nase zu und sorge dafür, dass ich nichts tue, was ich 2 Minuten später bereuen könnte. Ich ziehe mich selbst aus dem Verkehr. Für mich. Weil es Tage gibt, an denen nur das Notprogramm läuft – und das akzeptiere ich.

Tatsächlich hat diese (meine) Beziehung manchmal was von einer Dramödie und nichtsdestotrotz lohnt es sich, um sie zu kämpfen wie um kaum eine andere. Was nicht heißt, dass Selbstliebe nun jede Beziehung überflüssig macht – aber es macht sie besser. Weil ich von meinem Partner nicht mehr erwarte, dass er meine Hausaufgaben erledigt. Also kann ich ihn besser so nehmen, wie er ist. Anstatt rumzunörgeln, weil er nicht so ist, wie ich es brauchen würde. Denn siehe oben… fliegendes Pony und so.

Ob mein „Hey, eigentlich bist du doch gar nicht so doof ganz in Ordnung“-Seelen-Workout nun darin gipfelt, dass ich es Tracy McMillan gleichtue, weiß ich allerdings nicht. Die hat sich nämlich glatt „selbst geheiratet“ – also im Geiste – und ist somit quasi die Super-Samantha. Sehr inspirierend. Schaut euch unbedingt mal Tracys TEDx Talk an, falls ihr den noch nicht kennt. Ich liebe ihn sehr. Das sind fünfzehn wunderbar investierte Minuten. Und wenn ihr, hier auf meinem Blog, überhaupt irgendeinem der Links folgt, die ich so großzügig setze, dann nehmt diesen. Von mir aus schaut euch das Video auch gerne in der Badewanne an. Die Kerzenlicht-Rosenblatt-Nummer. Ihr wisst schon. ;)

youtube: Tracy McMillan: The person you really need to marry

 

Zitat Louise Hay

*P.S: Warnglöckchen to go…

Ich bin niemand, der auf Diplome, Zertifikate o.ä. schaut. Aber ich schaue mir den Menschen, dem ich mich anvertrauen möchte, sehr genau an. Und neben einem missionarisch anmutenden Touch, sind die folgenden Punkte meine absoluten No-Gos:

• Hat da jemand „die eine Wahrheit“ für sich gepachtet?

• Gibt es eine vorgefertigte Lösung, die jedem übergestülpt wird – ungeachtet der persönlichen Geschichte?

• Ist die Person sehr von sich selbst überzeugt, zeigt dabei aber erstaunlich empathiebefreit recht wenig bis gar kein Mitgefühl für Menschen, die einfach noch nicht aus ihrer Haut können? Weil… „ist doch alles ganz easy, wenn du das so machst, wie ich es dir sage?

• Reagiert die Person auf höflich-interessiertes(!) Nachfragen entweder gar nicht oder biestig/von oben herab und/oder gibt mir das Gefühl, dass ich einfach nur zu dämlich bin, die Genialität der Ratschläge zu erkennen? Sind die einzigen Wortmeldungen, die wohlwollend quittiert werden, Lobhuddeleien?

Und mein absolutes Super-No-Go: Hat die Person mich noch nie gesehen oder noch ein Wort mit mir gewechselt – nicht mal per Mail? Hat sie keinerlei Ausbildung in dem Bereich und gibt mir trotzdem Anweisungen, die weit über „nimm die Hand von der heißen Herdplatte“ oder „kauf dir neue Unterwäsche“ hinausgehen? Kurz: Stülpt sie mir IHR Verhaltenskonzept über, ohne sich überhaupt für mich zu interessieren oder mich als Menschen zu sehen? Dann renne ich. Schnell. Weil ich es mir wert bin. ;)

 

Anmerkung: Dieser Post verfolgt keinen therapeutischen Ansatz – ich bin weder  Psychologin noch Coach. Und darum schreibe ich – siehe oben: Frl. Rottenmeier u. Professor Snape – z.B. auch weder vom Inneren Saboteur noch vom Inneren Kritiker oder sonstwem, der in diesem Zusammenhang gerne erwähnt wird (Inneres Kind?). Es handelt sich hierbei lediglich um meine Gedanken zu einem Thema, das mich schon sehr lange und noch ein bisschen länger umtreibt und ich versuche hiermit lediglich, mir schreibend (m)ein Thema zu erschließen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich euch damit inspirieren kann – und nichts anderes ist der Sinn dieses Blogs – dann freut es mich. Wenn nicht, macht einfach weiter wie bisher und/oder zieht fachkundige(!) Hilfe zurate. 

 

Unentgeltliche Werbung ohne Auftrag. Denn: Dieser Post enthält Namens/Produktnennungen sowie Verlinkungen. Ich wurde von niemandem zu irgendetwas hiervon beauftragt.